10.07.2012 -

In einem Großraumbüro zu arbeiten, kostet Nerven. Neben mangelnder Privatsphäre, schlechter Luft und unliebsamen Kollegen ist es vor allem der Lärm, der sich negativ auf Arbeitsleistung und Motivation auswirkt. Aber mit kleinen Tricks und klaren Regeln lässt sich Abhilfe schaffen…

Das Telefon mit dem schrillsten Läuten gibt den Takt vor. Fast zeitgleich stimmen sieben weitere Apparate mit ein – jeder mit einem anderen, unverwechselbar nervigen Klingelton. Das gleichmäßige Brummen von Drucker und Kopierer sorgt für den Bass, während das Faxgerät mit unregelmäßigem Ton Hektik ins Spiel bringt. Dann setzen die Aufzugtüren ein: Mit einem glockenhellen „Bling“ öffnen und schließen sie sich unentwegt. Die Virtuosen im Stück sind jedoch die Tastaturen. Es klappert, was das Zeug hält. Dazu wird gesprochen, gelacht, geflucht, gerufen, gelaufen, gehustet, geschnauft und manchmal sogar gesungen. Wer in dieser Großraumbüro-Sinfonie wirklich konzentriert arbeiten kann, hat entweder gute Ohrstöpsel oder besitzt die beneidenswerte Fähigkeit, in tiefer Meditation alles um sich herum auszublenden.

Großraumbüros machen krank

Unzählige Studien belegen es: In Großraumbüros fühlen sich die Mitarbeiter deutlich unwohler als in kleineren Büroräumen. Der Grund: Die permanente Lärmbelästigung durch Kollegen, Telefone und andere Gerätschaften verursacht Stress, der neben Schlafstörungen und Bluthochdruck sogar einen chronischen Tinnitus auslösen kann. Wer sich konzentrieren muss, versucht, störende Geräusche auszublenden. Das ist anstrengend und senkt deutlich die Leistungsfähigkeit. Neben dem Lärm tun schlechte Luft und unangenehme Lichtverhältnisse in Großraumbüros ihr Übriges, um den Mitarbeitern die Arbeitslaune zu verderben. Auch Privatsphäre ist quasi nicht vorhanden. Ob der Anruf vom Headhunter oder die Online-Buchung der nächsten Urlaubsreise – den lieben Kollegen entgeht nichts! Und dass sich in einem Großraumbüro alle total gern mögen und prima miteinander auskommen ist auch utopisch.

So schaffen Sie Abhilfe

Mit kleinen Tricks gelingt das Überleben in diesen Großkampfzonen dennoch. Grenzen Sie Ihren Arbeitsbereich ab, indem Sie einige wenige (!) persönliche Dinge strategisch geschickt platzieren. Auch halbhohe Regale oder Zimmerpflanzen können den eigenen Arbeitsbereich begrenzen. Äußern Sie sich in einem Großraumbüro nicht negativ über Kollegen, Kunden oder Vorgesetzte. Sie müssen davon ausgehen, dass jede kleine Äußerung auch auf Ohren trifft, für die sie eigentlich nicht bestimmt war. Und vor allem: Suchen Sie sich Verbündete. Geteiltes Leid ist schließlich halbes Leid. Wenn unter den 30 Leuten, mit denen Sie dicht an dicht den Arbeitstag bestreiten, zwei oder drei sind, zu denen Sie ein freundschaftliches Verhältnis pflegen, lässt sich vieles leichter ertragen.

Lärm ist das größte Problem

Das Hauptproblem in Großraumbüros ist jedoch die permanente Lärmbelastung. Gary Evans, Professor für Umweltpsychologie der Cornell University im US-Bundesstaat New York fand in einer Studie heraus, dass das Arbeitsvermögen und der Stresspegel bei Mitarbeitern in Großraumbüros stark beeinflusst werden vom Lärm, dem sie dort ausgesetzt sind. Je lauter es im Büro ist, desto unmotivierter und gestresster zeigten sich die Mitarbeiter in den Versuchen. Auch waren Sie weniger in der Lage, Probleme zu lösen.

Regeln aufstellen

Auch wenn in Ihrem Großraumbüro bauliche Veränderungen zum Lärmschutz nicht möglich sind, können Sie mit Ihren Kollegen durch das Aufstellen einiger Regeln die Situation verbessern. Hier unsere Anregungen:

  • Alle Klingeltöne für Telefone, Handys und Faxgeräte möglichst leise einstellen und langes Klingeln vermeiden. REGEL: Spätestens nach dem 4. Signalton wird das Gespräch angenommen, zur Not auch von einem Kollegen, wenn der betreffende Mitarbeiter gerade nicht am Platz ist.
  • Tauschen Sie laute Tastaturen gegen Modelle mit einem extra leisen Tastenanschlag aus. Diese Investition lohnt sich wirklich.
  • Verbannen Sie laute Geräte wie Kopierer, Drucker oder Faxgeräte aus dem Büro. Das sorgt gleich für mehr Ruhe und Sie bleiben besser in Bewegung.
  • Vereinbaren Sie “Ruhezeiten”, in denen leise und intensiv gearbeitet wird. Meist eignen sich die Stunden am Vormittag für Arbeiten, die volle Konzentration erfordern. Meetings, Telefonkonferenzen oder Kundengespräche werden auf den Nachmittag gelegt.
  • Richten Sie einen Ruheraum, evtl. auch mit Telefonanschluss für Telefonkonferenzen, ein, indem jeder ungestört arbeiten kann.

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