Fehlt Ihnen im Vorstellungsgespräch auch häufig eine gute Antwort darauf, warum das Unternehmen gerade Sie einstellen sollte? Die meisten Bewerber kommen bei dieser Frage gehörig ins Schwitzen. Wir haben die Experten befragt, wie Sie sich dabei am besten verkaufen können.

Diese Frage ist ohne Zweifel ein Klassiker im Vorstellungsgespräch. Gern wird sie gegen Ende des Vorstellungsgesprächs gestellt, meist noch begleitet von dem Zusatz, wie groß der Kreis der qualifizierten Bewerber ist. Was unterscheidet Sie wirklich von der Konkurrenz? Fünf Berater aus dem Netzwerk der Karriereexperten.com erklären hier, wie Sie diese Frage zu Ihrem Vorteil nutzen.

Die Antwort auf das Unternehmen maßschneidern

„Es ist die klassische Frage nach dem Nutzen für das Unternehmen und nach Ihrer Motivation. Deshalb muss die Antwort unbedingt maßgeschneidert sein“, erklärt Heidemarie Meißnitzer, Coach für Karriere und Kommunikation aus München. „Was braucht der potenzielle Arbeitgeber von mir und was davon kann ich ihm bieten?“

Um dem Arbeitgeber das Passende zu bieten, rät die Expertin: „Analysieren Sie die Stellenanzeige genau und recherchieren Sie, welche Probleme das Unternehmen aktuell zu lösen hat. Dann reflektieren Sie Ihre Stärken und filtern Sie konkrete Anknüpfungspunkte heraus. Diese können sein: Relevante Branchenkenntnisse, passgenaue Erfahrungen und Spezialkenntnisse, übertragbare Erfolge, relevante Kontakte, persönliche Stärken und natürlich Ihre Motivation.“

„Bleiben Sie dabei kurz und prägnant, arbeiten Sie mit Schlüsselbegriffen, gehen Sie noch nicht in die Details. Ein Richtwert für die Länge der Antwort: Eine bis maximal zwei Minuten“, fügt Heidemarie Meißnitzer hinzu.

Die wichtigsten Kompetenzen kurz darstellen

„Bei dieser letzten Frage können Sie die wichtigen Kompetenzen, die in dieser Position vom Kandidaten erwartet werden, noch einmal kurz und knapp in Ich-Form darstellen“, sagt die Bewerbungs- und Karriereberaterin Ursula Thieme. „Sprechen Sie mit klaren Aussagen, schieben Sie keine Nebensätze oder Erklärungen nach, das klingt wie eine Rechtfertigung.“

Wie Sie konkret vorgehen können, veranschaulicht Ursula Thieme an einem Beispiel:

  • Ich biete Ihnen ein breites KnowHow in der Analyse von Logistikprozessen, -kennzahlen und ERP-Systemen.
  • Ihr Unternehmen sucht für diese Aufgabe einschlägige Praxiserfahrungen in der Zusammenlegung und Neuausrichtung von Distributionszentren.
  • Genau in diesem Bereich verfüge ich über langjährige Erfahrungen.
  • Deshalb bin ich der richtige Kandidat für diese Aufgabe. Ich würde mich freuen, wenn ich Sie überzeugen konnte.

Ruhe bewahren und konkrete Beispiele nennen

„Diese Frage kann Ihnen in der ohnehin schon angespannten Situation sicherlich den Schweiß auf die Stirn treiben. Das muss jedoch nicht sein, denn sie stellt tatsächlich eine wunderbare Vorlage dar, um sich ideal zu verkaufen“, meint die Diplom-Psychologin und Beraterin Katja Ischebeck. Die Expertin empfiehlt folgende Vorgehensweise:

  • Bewahren Sie die Ruhe.
  • Bringen Sie Ihre Vorzüge passgenau bezogen auf die Anforderungen des Jobs auf den Punkt: Schildern Sie die entscheidenden fachlichen und überfachlichen Kompetenzen und belegen Sie diese möglichst mit konkreten Beispielen.
  • Machen Sie ein positives Abschluss-Statement, in dem Sie begründen, warum die Zusammenarbeit für beide Seiten einen Gewinn darstellt.

Dem Personaler die Entscheidung erleichtern

„Diese Frage gehört zu den Stressfragen und gibt dem Bewerber abschließend die Möglichkeit sich von seiner professionellen Seite zu zeigen“, sagt Martina Bandoly, Führungsexpertin und Coach aus Berlin. „Aufgrund Ihrer guten Vorbereitung und den zusätzlichen Informationen aus dem Vorstellungsgespräch wissen Sie nun, was zukünftig von Ihnen erwartet wird. Nun können Sie begründen, welchen Nutzen die Firma davon hat, sich für Sie mit Ihren beruflichen Erfahrungen, Kompetenzen, Qualifikationen und Stärken zu entscheiden.“

Aus der Perspektive der Führungskraft kann Martina Bandoly bestätigen: „So vermitteln Sie dem Personaler das Gefühl der Sicherheit, den geeigneten Kandidaten vor sich zu haben.“

Auch Sie entscheiden sich für das Unternehmen!

„Viele Bewerber lassen sich durch diese Frage einschüchtern und machen sich klein. Sie denken, ‚Warum gerade ich, wenn es doch so viele andere Bewerber gibt, die vielleicht besser sind‘ und rutschen in eine Rechtfertigungs- und Erklärungshaltung hinein“, sagt Bernd Slaghuis, Karrierecoach aus Köln. „Machen Sie sich bewusst, dass es im Gespräch um beide Seiten geht, die sich vorstellen! Auch Sie als Bewerber möchten herausfinden, ob das Unternehmen und die Stelle für Sie richtig sind.“

Um die Frage überzeugend zu beantworten, rät Bernd Slaghuis: „Fragen Sie sich selbst ‚Warum sollte ich gerade hier arbeiten?‘. So gewinnen Sie das nötige Selbstvertrauen, um authentisch über Ihre Stärken zu sprechen. Gleichzeitig stärken Sie so das Bewusstsein, dass es auch Ihre Entscheidung ist, die Stelle anzutreten.“


Die hier genannten Experten sindMitglieder des Netzwerks Karriereexperten.com, das Berater- und Coachingnetzwerk rund um Beruf, Job und Karriere.

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