05.02.2013 -

Im Grunde seines Wesens ist der Mensch ein Neidhammel. Und besonders empfindlich reagiert er beim Thema Gehalt. Denn das Gehalt macht nur dann zufrieden, so lange der liebe Kollege nicht mehr verdient.

Gehaltsneid – Das Streben nach mehr

Drei Prozent mehr Gehalt – gerade eben noch waren Sie glücklich über Ihre Gehaltserhöhung. Dann erfahren Sie durch Zufall, dass der Kollege, der Ihnen gegenübersitzt, das Doppelte ausgehandelt hat. Ihr Glücksgefühl flaut spürbar ab. Der Gedanke daran, dass das Gehalt dieses Kollegen Ihres wahrscheinlich um Längen schlägt, lässt von der ursprünglichen Freude über Ihre Lohnerhöhung nichts mehr übrig. Statt sich für den Kollegen über dessen Verhandlungsgeschick zu freuen, sind Sie sauer auf den Chef. Doch wieso ist das so?

Ungerecht: Der Kollege verdient mehr

„Das liegt in der Natur des Menschen“, begründet der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Bruno S. Frey gegenüber Manager Magazin Online. Wer mehr verdiene als sein Kollege, schreibe das seinen eigenen Fähigkeiten zu. Wer dagegen schlechter abschneide, fühle sich vom Chef ungerecht behandelt. „Anstatt die Ursache bei uns selbst zu suchen, geben wir unseren Mitmenschen die Schuld daran, dass wir weniger verdienen“, so Frey weiter. Forschungen bestätigen das: Laut einer Meinungsumfrage des Marktforschungsinstitutes Forsa fühlen sich 58 Prozent der Mitarbeiter schlecht behandelt, wenn ein Kollege in der gleichen Position mehr verdient. Nur 21 Prozent können sich für den Kollegen freuen und lediglich neun Prozent denken, dass der Kollege besser arbeitet und deshalb auch mehr verdient.

Orientierung: Vergleiche nur mit denen, die mehr haben

Das Problem ist, dass der Mensch ständig Vergleiche zieht. Deshalb sei, so Frey, auch nicht die absolute Höhe unseres Einkommens maßgeblich für unsere Zufriedenheit, sondern wie viel wir im Vergleich zu anderen verdienen. Dass allein ist ja nun nicht unbedingt schlecht. Immerhin könnte jeder Mitarbeiter absolut zufrieden zur Arbeit gehen, weil es ganz bestimmt jemanden gibt, der weniger verdient. Aber so funktioniert unser Gehirn leider nicht. „Wir orientieren uns immer an denjenigen, die mehr bekommen als wir“, sagt Frey. „Menschen, die weniger verdienen, berücksichtigen wir nicht.“ Das führt zu einer vom Unternehmen gewiss nicht unbeabsichtigten Motivation, mehr zu verdienen und deshalb auch mehr zu leisten. Doch Forscher fanden heraus, dass sich das Glücksgefühl nicht unbegrenzt steigern lässt. Ab einer gewissen Einkommenshöhe machen Gehaltserhöhungen und Boni den Arbeitnehmer nicht zufriedener, sondern sind lediglich Voraussetzung für ihn, um nicht unzufriedener zu werden.

Hotel Schindlerhof: Welches Gehalt hätten Sie gern?

Das Dilemma um diesen sogenannten „abnehmenden Grenznutzen des Geldes“ und den Gehaltsneid im Allgemeinen ist nicht neu. Einige Unternehmer setzen daher beim Thema Gehalt lieber auf Transparenz und Selbstbestimmung. In diesem Zusammenhang berichtete Spiegel online kürzlich über das Tagungshotel Schindlerhof in Nürnberg. Dort wird jeder Mitarbeiter vor seiner Einstellung nach seinem Wunschgehalt gefragt. „Er oder sie wird gebeten, es sensibel festzulegen, unter Berücksichtigung des bisherigen Gehalts. Wir zahlen dann das Wunschgehalt“, bestätigt Nicole Kobjoll, die gemeinsam mit ihren Eltern Renate und Klaus Kobjoll das Hotel leitet. Darüber hinaus werden die Mitarbeiter angehalten, sich monatlich selbst in 16 Kategorien zu bewerten. Mitarbeiterindex oder kurz MAX heißt das Feedbacksystem und bescherte dem Hotel schon seit Jahren Erfolg. Mit einem Pro-Kopf-Umsatz von 125.000 Euro gehört der Schindlerhof zu den profitabelsten Unternehmen seiner Branche.

Gehaltsneid Deluxe: Die Topverdiener in Deutschland

Doch es ist fraglich, ob sich ein solches System auch in großen Unternehmen oder Konzernen etablieren lässt. Bis auf weiteres bleiben die Gehälter dort wohl vertraulich und kleine Informationslecks hier und da schüren den Gehaltsneid unter Kollegen. Und damit Sie auch mal so richtig grün anlaufen können, verraten wir Ihnen, was laut Frankfurter Rundschau im vergangenen Jahr auf dem Gehaltszettel der zehn deutschen Topverdiener stand:

  • Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, Martin Winterkorn: rund 16,5 Millionen Euro
  • Ex-Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann:  rund 9,4 Millionen Euro
  • Siemens-Chef  Peter Löscher: rund 8,7 Millionen Euro
  • Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, Dieter Zetsche: rund 8,6 Millionen Euro
  • Vorstandsvorsitzender der Linde AG, Wolfgang Reitzle: rund 6,7 Millionen Euro
  • RWE-Vorstandsvorsitzender Jürgen Großmann: rund 6,4 Millionen
  • Vorstandsvorsitzender der BMW AG, Norbert Reithofer: rund 6,1 Millionen Euro
  • Vorstandsvorsitzende der adidas AG, Herbert Hainer: rund 5,9 Millionen Euro
  • Henkel-Vorstandsvorsitzende Kasper Rorsted: rund 5,4 Millionen Euro
  • Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post AG, Frank Appel: rund 5,2 Millionen Euro

(Quellen: Manager Magazin Online, Spiegel Online, Frankfurter Rundschau Online)

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