Wenn man merkt, dass der Job nicht der richtige ist, herrscht Arbeitsfrust statt Arbeitslust. Millionen deutscher Arbeitnehmer stecken in einer beruflichen Sinnkrise. Doch eine Krise ist immer auch eine perfekte Chance, erklärt der Berufungscoach Wulf-Peter Paezold in diesem Beitrag.

Mit welchem Gefühl beginnen Sie den Tag: Arbeiten zu müssen oder arbeiten zu dürfen? Wer sich morgens mit Unlust und schlechter Laune an den Arbeitsplatz quält, um am Abend erschöpft und mit trüben Aussichten auf den nächsten Tag ins Bett zu fallen, ist in Deutschland nicht allein. Laut der letzten Erhebung des Beratungsunternehmens Gallup zu diesem Thema hat jeder vierte deutsche Arbeitnehmer innerlich gekündigt. 24 Prozent machen demnach nur noch Dienst nach Vorschrift und können sich weder durch ihre Tätigkeit noch durch ihr berufliches Umfeld motivieren. Die Bilanz nach durchschnittlich 40 Berufsjahren mit einer 40-Stunden-Woche und 30 Urlaubstagen wäre erschreckend: Statt freudig einer erfüllenden Tätigkeit nachzugehen, würden wir 73.600 wertvolle Stunden unseres Lebens Frust schieben.

Die Frage nach dem eigenen Nutzen

Viele stecken im falschen Job fest, doch die wenigsten ändern etwas daran. Stattdessen korrigieren wir mit steigendem Leidensdruck auch die Schmerzgrenze nach oben. „Die Unzufriedenheitsfaktoren schleichen sich widerstandslos in unser Leben ein und wir akzeptieren die immer geringere Qualität unseres Lebens“, sagt Wulf-Peter Paezold. Der Unternehmens- und Berufungsberater hat die quälende Unzufriedenheit im Job selbst erlebt, bevor er Konsequenzen zog und Konfuzius‘ Rat befolgte: „Wähle einen Beruf, den Du liebst und Du brauchst keinen Tag in Deinem Leben mehr zu arbeiten.“ Eine schöne Vorstellung und Paezold ist davon überzeugt, dass jeder Mensch sie realisieren kann. „Die Kunst ist zu erkennen, was mich im Innersten ausmacht, wer ich wirklich bin und welchen Nutzen ich der Gesellschaft bringe.“ Eine Frage, die sicher nicht viele voller Überzeugung beantworten können. Regelmäßig verfallen Bewerber auf die Frage, warum das Unternehmen nun ausgerechnet sie einstellen sollte, in beschämtes Nuscheln oder werfen mit Standardphrasen um sich. Dabei ist die Frage nach dem individuellen Nutzen gleichzeitig auch die Frage nach der eigenen Berufung und nach dem Sinn zumindest im beruflichen Leben. „Kann ich diese Frage für mich beantworten, weiß ich auch, wie ich die Unzufriedenheitsfaktoren in meinem Job eliminieren kann“, erklärt Paezold.

Erkenntnis: Gehalt ist Schmerzensgeld

Zunächst gilt es zu erkennen und zu akzeptieren, dass der Job in seiner jetzigen Form nicht der richtige ist. „Das begreifen wir spätestens dann, wenn das Gehalt für uns zu einer Art Schmerzensgeld geworden ist“, sagt der Experte. „Wir schleppen uns jeden Tag aufs Neue zur Arbeit und sehnen schon morgens das Arbeitsende herbei. Wir sind kurz nach dem Jahresurlaub wieder erholungsbedürftig, die Fehlzeiten häufen sich und wir fangen schon sehr früh an, die Jahre bis zur Rente zu zählen.“ Wer diese Entwicklung bei sich erkennt, sollte den Mut zu einer Neuorientierung haben, um nicht dauerhaft in die Frustrationsspirale zu geraten.

Das heißt nicht, dem Chef gleich die Kündigung auf den Tisch zu knallen. Vom abrupten Ausstieg hält Wulf-Peter Paezold genauso wenig, wie von Pilger- oder Weltreisen, um sich erfolgreich neu zu orientieren. „Nicht wenige Menschen nehmen eine Auszeit, gehen ins Ausland oder wandern auf dem Jakobsweg, um sich selbst, den Sinn des Lebens und ihre Berufung zu finden. Nur wenige kommen mit genau diesen Antworten zurück.“ Freie Zeit, Meditation, Erholung, andere Länder und Kulturen seien zwar eine gute Abwechslung aus dem bisherigen Trott, führten allein aber nicht zu der fehlenden Klarheit und Zukunftsvision. Aus Erfahrung weiß der Coach, dass ein Neuanfang oder eine Umorientierung mitunter ein hartes Stück Arbeit ist. Dabei geht es nicht nur um die Verwirklichung eigener Wünsche und Visionen. Schließlich muss die Miete auch weiterhin bezahlt und die Familie versorgt werden.

Coaching kann Optionen aufzeigen

Genau aus diesem Grund scheuen sich jedoch viele, ein sicheres Einkommen aufs Spiel zu setzen. Das müsse man auch nicht, meint Paezold. Sich professionell beraten zu lassen, um zu erkennen, welche Optionen man in einer scheinbar festgefahrenen Situation hat, sei ein erster Schritt. In seinen Berufungscoachings arbeitet er das Persönlichkeitsprofil seiner Kunden heraus und deckt so deren Berufung auf. Daraus ergeben sich der persönliche Nutzen und die passenden Arbeitgeber, die genau dieses Angebot benötigen. Doch nicht immer ist ein neuer Job die Lösung. Auch kleine Veränderungen können laut Paezold die gewünschte Wirkung erzielen. Durch neue Sichtweisen können die innere Einstellung und Haltung zur Arbeit verändert werden. Manchmal seien aber auch Unzufriedenheit oder Stress im Privatleben ursächlich für den Frust am Arbeitsplatz. Dann müsse man eben in diesem Bereich positive Veränderungen herbeiführen.

Die eigene Berufung finden

Die meisten seiner Klienten trifft die typische Sinnkrise im Alter von Mitte vierzig bis Mitte fünfzig. Dabei beobachtet Wulf-Peter Paezold, dass Frauen meist privat und aus eigenem Antrieb, Männer hingegen gezwungener Maßen sein Coaching in Anspruch nehmen. „Die Firma bezahlt. Trotzdem erleben sie das Coaching dann als sehr befreiend und entlastend.“ Doch in den letzten Jahren seien es auch zunehmend jüngere Menschen zwischen Mitte zwanzig und Mitte dreißig, die mit einer beruflichen oder persönlichen Sinnkrise oder einem Burnout an seine Tür klopfen. „Das zeigt, dass auch Jugendliche so früh wie möglich herausfinden sollten, wo ihre wahren Kompetenzen und Lebensmotive liegen“, sagt Paezold. Unter der eigenen Berufung versteht der Coach die einzigartige Aufgabe, die der Persönlichkeit, den Talenten und Motiven des Menschen entspricht. „Egal in welchem Alter wir sind. Das Geheimnis des Erfolgs besteht darin, mit unserem Angebot andere zu begeistern und einen wirklichen Nutzen zu bieten. Nur so finden wir einen sicheren und erfüllenden Job und werden gut bezahlt.“


Weitere Informationen unter www.berufungsberatung.de

Bildquelle: © Minerva Studio – Fotolia.com