Mit einem Kind beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Vor allem für die Frau verändert sich jetzt alles und der Beruf tritt in den Hintergrund. Viele Frauen sind nach Mutterschaftsurlaub und Elternzeit erst nach vielen Jahren familiärer Verpflichtungen wieder bereit für die Arbeitswelt.

Wer so lange aus dem Berufsleben heraus ist, hat oft schon komplett den Anschluss verloren. Die Computertechnologie setzt sich überall im Arbeitsleben durch und bringt rasante Veränderungen mit sich. Vor dem neuen Job steht deshalb fast immer eine Qualifizierung.

Wie Sie nach einer beruflichen Auszeit erfolgreich neu starten, beschreiben Karrierefachfrau Svenja Hofert und Wiedereinstiegsberaterin Uta Nommensen in ihrem Buch „Wiedereinstieg in den Beruf – Berufsbilder und Stellensuche“. Sie informieren über Qualifizierungsmöglichkeiten, finanzielle Förderung, Bewerbungen und stellen 50 gesuchte Berufe vor.

Hier einige Tipps der Autorinnen für Berufsrückkehrerinnen:

1. Den Markt erkunden

Wer nach einer Pause ins Berufsleben zurückkehren möchte, muss wissen, was geht. Erkundigen Sie sich, ob Ihr Berufswunsch realistisch ist oder bloße Träumerei. Informieren Sie sich bei Weiterbildungszentralen oder übers Internet. Oder rufen Sie direkt bei Personalabteilungen an und sprechen sie mit Experten.

2. Jobsuche dem Alter anpassen

Nicht jeder Job passt für jedes Alter. „Jugendbranchen“ sind beispielsweise die Telekommunikation und die Werbung. In den Heil- und Pflegeberufen stehen Einsteigerinnen auch mit Mitte 40 noch alle Türen offen. Sekretärinnen, Office Assistentinnen und Buchhalterinnen mit guter Ausbildung werden immer gesucht. Die Chancen in den Büroberufen sind durchweg positiv. Im Vertrieb wird Alter ebenfalls oft geschätzt.

3. Qualifizierung ist das A und O

Nach einer längeren Pause vom Erwerbsleben geht ohne Qualifizierung fast gar nichts. Für junge Eltern mit wenig Flexibilität gibt es passende Weiterbildungen – zum Beispiel über Fernlehrgang, Fernstudiengang mit wenigen Präsenzzeiten, mit IHK- und VWA- Zertifizierungen am Abend oder am Wochenende – wenn der Partner die Kinderbetreuung übernimmt. In Büroberufen ist nach einer längeren Auszeit fast immer eine berufliche Weiterbildung in SAP, Datenbanken, Projektmanagement oder Excel angesagt. Wer sich qualifiziert, profitiert! Auch das Selbstvertrauen frischen Sie damit auf.

4. Nadelöhr Arbeitsagentur

Viele Frauen nach der Elternzeit haben Anspruch auf Leistungen der Bundesagentur oder der ARGE/Jobcenter. Ob die ehemalige Sekretärin einen SAP-Kurs belegt oder die Sachbearbeiterin den Computerführerschein erwirbt oder eine Umschulung anstrebt: Die Berater in den staatlichen Arbeitsagenturen sind die Schnittstellen zur Qualifizierung. Bereiten Sie sich deshalb auf das Gespräch wie auf ein Bewerbungsgespräch vor. Suchen Sie vorher eine lokale Weiterbildungsberatung auf.

5. Kinder sind Privatsache

Sie sind nicht verpflichtet, den Familienstand und die Kinder in der Bewerbung anzugeben. Leider werden berufstätige Mütter immer noch schnell in die Mama-Ecke geschoben – und als Zuverdienerin ohne Ehrgeiz abgetan. Vielleicht befürchtet der zukünftige Chef auch, dass Sie wegen Kinderkrankheiten zu Hause bleiben. Verzichten Sie deshalb auf die Nennung des Familienstandes.

6. Auszeiten im Lebenslauf füllen

Drei Jahre, fünf Jahre oder länger gähnende Leere im Lebenslauf lassen sich dem potentiellen Arbeitgeber schlecht vermitteln. Aber waren Sie während der Elternzeit untätig? Vielleicht haben Sie sich als Elternvertreterin im Kindergarten engagiert oder ehrenamtliche Aufgaben im Sportverein übernommen. Sie haben Sprachkurse belegt oder einen Computerkurs. Nehmen Sie diese Aktivitäten in den Lebenslauf auf!

7. Bewerben Sie sich auf Vollzeit-Stellen

Teilzeitstellen sind rar gesät und sehr beliebt. Bei Zeitarbeitsunternehmen sind sogar fast keine Teilzeitstellen im Angebot. Wenn die Betreuung gesichert ist, sollten Sie sich auch auf Vollzeitstellen bewerben. Vielleicht können Sie im Bewerbungsgespräch eine 30-Stunden-Woche oder einen Home-Office-Tag aushandeln. Oder Sie gehen nach einem Jahr in Teilzeit!

8. Zapfen Sie Ihr Netzwerk an

Nicht vergessen: Etwa 70 Prozent aller Jobs werden über Empfehlungen vergeben. Mütter und Väter in Elternzeit sind oft eingebunden in ein enges Netzwerk – über den Kindergarten, die Schule, die Nachbarn und Freunde. Nutzen Sie Ihr Netzwerk für die Jobsuche. Überall gibt es zum Beispiel Selbstständige, die stundenweise Unterstützung brauchen. So kommt man langsam wieder rein.

 


„Wiedereinstieg in den Beruf – Berufsbilder und Stellensuche“ ist im humboldt Verlag erschienen. Die Autorinnen: Svenja Hofert ist Karriereberaterin in Hamburg, erfolgreiche Buchautorin und selbst Mutter. Uta Nommensen arbeitet als Texterin und Autorin, hat umfangreiche Erfahrungen mit beruflicher Neuorientierung und Wiedereinstieg und ist ebenfalls Mutter.

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