07.03.2011 -

Am 8. März 2011 jährt sich der Internationale Frauentag zum 100. Mal. Das ist Anlass genug, um sich die Situation der Frauen in der Arbeitswelt hierzulande etwas näher anzuschauen.

Laut einer aktuellen Studie von Accenture sagen deutlich mehr Frauen als Männer in Deutschland, sie seien zufrieden mit ihrem Arbeitsplatz und der Karrierestufe, die sie erreicht haben. Das wirft die Frage auf: Sind Frauen tatsächlich zufriedener im Job – oder haben sie sich mit schlechteren Aufstiegsmöglichkeiten abgefunden?

Die zentralen Ergebnisse der Befragung zeigen, dass zwischen 10 bis 20 Prozent mehr Frauen als Männer mit ihrer derzeitigen beruflichen Situation scheinbar zufrieden sind.

Haben Frauen sich mit ihrer beruflichen Situation abgefunden?

Alarmierende Ergebnisse, findet Catrin Hinkel, Geschäftsführerin bei Accenture und dort verantwortlich für den Bereich Human Capital & Diversity: „Offensichtlich haben sich viele Frauen damit eingerichtet, dass es für sie im Job häufig nicht weitergeht, und haben die sogenannte ‘gläserne Decke’ akzeptiert.“ Darauf deuten auch folgende Antworten hin:

  • Nur 30 Prozent der Arbeitnehmerinnen wollen auf Positionen der obersten Führungsebene vorstoßen, gegenüber 41 Prozent der Männer.
  • Die befragten Frauen sehen die Schuld für mangelnde Aufstiegschancen stärker als ihre männlichen Kollegen bei sich selbst.
  • 28 Prozent der Frauen sagten, dass sie den nächsten Karriereschritt nicht machen könnten, weil ihnen Fertigkeiten und Wissen fehlten – aber nur sieben Prozent der Männer.

„Diese Haltung vieler Arbeitnehmerinnen ist fatal für Unternehmen, denen damit weniger Kandidaten für Positionen mit anspruchsvollen Aufgaben zur Verfügung stehen“, sagt Catrin Hinkel. „Arbeitgeber können nicht warten, bis ihre weiblichen Angestellten von sich aus den nächsten Karriereschritt machen wollen. Sie sollten mehr Frauen ans kalte Wasser heranführen und aktiv mit Führungsaufgaben betrauen.“

Keine Gleichstellung von Männern und Frauen

Auch die Bundesagentur für Arbeit bestätigt die Randposition von Frauen am Arbeitsmarkt. Zwar haben Mädchen und Frauen die besseren Schulabschlüsse und sind für das Berufsleben mindestens so gut qualifiziert wie Männer. Aber am Arbeitsmarkt scheint sich die Gleichstellung nicht durchzusetzen. Frauen arbeiten öfter in Teilzeit, seltener in Führungspositionen und mit geringeren Löhnen als Männer. Frauen sind häufiger langzeitarbeitslos und tragen damit im Geschlechtervergleich das höhere Verbleibsrisiko in Arbeitslosigkeit.

Demografischer Wandel: Frauen werden gebraucht

Dass sich die Situation für Frauen bessern wird, ist aber fast sicher und zwar dank des demografischen Wandels, meint Heinrich Alt, Vorstand Grundsicherung der Bundesagentur für Arbeit: „Fachkräfte werden bereits heute händeringend gesucht, offene Stellen können nicht besetzt werden – auch in klassischen Frauenberufen, wie zum Beispiel im Gesundheitswesen.“

„Wir werden älter und weniger. Die Arbeit bleibt, aber die Arbeitskräfte gehen aus. Umso dringender müssen wir den Blick auf diejenigen richten, die bisher zum Teil am Rande des Arbeitsmarktes standen“, appelliert Alt. Das sind zum Beispiel gut qualifizierte und motivierte Frauen, die gerne arbeiten würden, aber denen wegen familiärer Rahmenbedingungen der Zugang in die Arbeitsgesellschaft bislang nicht möglich war.

Schwierige Rahmenbedingungen vor allem für Alleinerziehende

„Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland machen es noch immer schwierig, Job und Familie zu vereinbaren“, sagt Catrin Hinkel. „Berufstätige Mütter müssen sich häufig ein fragiles Konstrukt aufbauen, mit dem sie Beruf und Familie unter einen Hut bringen. Sie befürchten, dass es mit neuen Aufgaben zusammenbricht, und vermeiden es daher, etwas daran zu ändern.“

Gerade Alleinerziehende haben es schwer. „Es ist gut, dass die Kinderbetreuung ausgebaut wird, aber es muss deutlich mehr getan werden“, meint Heinrich Alt. „Über 60 Prozent der arbeitsuchenden Frauen kommen aus dem Einzelhandel, aus Gesundheits- und Pflegeberufen oder aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe. Alles Bereiche mit Arbeitszeiten, die klassische Kinderbetreuungszeiten nicht abdecken. Solange eine Alleinerziehende in Randzeiten oder am Wochenende keine Möglichkeit zur Kinderbetreuung hat, wird sich an der persönlichen Situation nicht viel ändern.“

Neben den Kinderbetreuungsangeboten sind in der Wirtschaft aber auch kluge Modelle und Ideen gefragt, um Beruf und Familie zu verbinden. „Langfristig denkende Personalverantwortliche haben längst die Zeichen der Zeit erkannt und investieren in familienfreundliche und familienbewusste Arbeitsbedingungen. Aber es sind noch zu wenige. In Deutschland sind derzeit rund 5,6 Millionen Frauen nicht erwerbstätig, davon wollen aber zwei Millionen wieder berufstätig sein, über die Hälfte mit mittlerer bis hoher Qualifikation. Diese Schätze müssen gehoben werden. Frauen sind und werden für Unternehmen unentbehrlich.“

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