21.03.2014 -

Der Equal Pay Day macht dieses Jahr am 21. März auf das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen aufmerksam, das hierzulande bei durchschnittlich 22 Prozent liegt. Experten fordern für Frauen flexiblere und innovativere Karrieremodelle und mehr Frauen in technischen Berufen.

Mit durchschnittlich 15,56 Euro verdienen Frauen aktuell wie bereits seit Jahren 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, die sich über durchschnittlich 19,84 Euro pro Stunde freuen, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Damit bildet Deutschland eines der Schlusslichter in der Europäischen Union, in der Frauen durchschnittliche 17 Prozent weniger verdienen.

Das Datum des Equal Pay Day markiert jedes Jahr den Zeitraum, den Frauen über das Jahresende hinaus arbeiten müssten, um auf das Vorjahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen. Dieses Jahr hätten sie das bis zum heutigen 21. März tun müssen.

Frauen in der Teilzeit-Falle

Für diesen Verdienstunterschied gibt es viele Ursachen. Vor allem lässt er sich darauf zurückführen, dass es in bestimmten Berufen, Branchen und auf höheren Karrierestufen zu wenige Frauen gibt. Zum anderen unterbrechen Frauen durch Mutterschaft und Elternzeit ihre Arbeitstätigkeit und führen sie danach meist nur reduziert weiter – Minijobs und Teilzeit nach der Babypause sind bei vielen Frauen Normalität. Hier sind Unternehmen gefragt mit flexibleren Arbeitszeitangeboten und Unterstützung bei der Kinderbetreuung.

Laut BPW Germany e.V., den Initiatoren des Equal Pay Day in Deutschland, wählen Frauen eher traditionelle Frauenberufe, die schlechter bezahlt werden und häufiger teilzeitbeschäftigt sind, wie etwa Berufe der Gesundheitsbranche. Die Teilzeitarbeit kommt Frauen aber häufig gelegen, denn darin sehen sie die Chance, Familie und Job besser unter einen Hut zu bekommen. Besser bezahlte Jobs, gerade in Führungspositionen, gibt es aber meist nur in Vollzeit.

In Führungspositionen verdienen Frauen knapp ein Viertel weniger

Wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) in einer Langzeitstudie untersucht hat, lag der Verdienstunterschied in Führungspositionen im Jahr 2012 bei fast einem Viertel (23 Prozent). Frauen verdienten durchschnittlich fast 4.000 Euro monatlich, Männer hingegen rund 5.200 Euro.

„Flexiblere Karrieremodelle, mehr Transparenz bei der Besetzung von Führungspositionen und bei Höhe wie Form der Entlohnung können helfen, mehr Frauen den Aufstieg in besser bezahlte Positionen zu ermöglichen“, sagt Elke Holst, DIW-Forschungsdirektorin für Gender Studies.

Nur wenige Frauen in besser bezahlten technischen Berufen

Auch die Berufswahl hat starken Einfluss auf das niedrige Durchschnittseinkommen vieler Frauen. In technischen Berufen winken gute Gehälter, aber nur wenige Frauen wählen einen solchen Job. Bernd Vogler, Hauptgeschäftsführer der Chemieverbände Rheinland-Pfalz verweist auf die Chemie-Branche und ermuntert „Frauen, sich mehr für Branchen und Berufe zu begeistern, in denen der Verdienst und die Unterstützung besser ist“.

Unter den beliebtesten Berufen der Frauen in Rheinland-Pfalz ist laut dem Statistischen Landesamt Rheinland-Pfalz kein technischer Beruf im produzierenden Gewerbe. Dabei sind hier die Verdienstchancen sehr gut: Azubis erhalten in der Chemie im ersten Ausbildungsjahr bereits 811 Euro. Und mit gut 1.500 Ausbildungsplätzen allein 2013 in über 50 Berufen ist die Auswahl groß.

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