Längst nicht jeder Jobsuchende ist eine begehrte Fachkraft, die von Arbeitgebern umschwärmt wird. Häufig bekommt man genau den Job angeboten, den man eigentlich nicht wollte. Was nun, annehmen oder weitersuchen? Die Karriereberaterin Bettina Sturm gibt hier ein paar wertvolle Tipps zur Entscheidungsfindung.

Vielleicht kommt Ihnen diese Situation bekannt vor: Wochen- oder sogar monatelang schreiben Sie Bewerbungen, besuchen Vorstellungsgespräche und hoffen auf ein Jobangebot. Dann flattert endlich eins ins Haus, nur nicht für den Job, den Sie gern wollten. Wie entkommen Sie dann der Entscheidungsklemme? Diesen Job nehmen und schauen was draus wird… oder weitersuchen?

Wissen Sie, was Sie wollen?

Um besser entscheiden zu können, ob Sie diesen Job wirklich wollen, empfiehlt die Karriereberaterin Bettina Sturm aus München eine fundierte Auseinandersetzung mit sich und seinen Erwartungen.

„Dies kann im Rahmen einer Standortanalyse geschehen”, sagt Bettina Sturm und sie erklärt weiter: „Fragen Sie sich, was Sie auszeichnet, das können Ihre Ausbildung, Ihre Kompetenzen und Stärken sein. Dann überlegen Sie sich, was Sie von einem Job wollen: Aufgaben, Gehalt, Aufstiegsmöglichkeiten. Zudem sollten Sie wissen, was Ihnen beim potenziellen Arbeitgeber wichtig ist, wie Unternehmenskultur und Cheftyp.” Wer sich über diese Dinge im Klaren ist, kann viel besser beurteilen, ob der angebotene Job passend ist oder nicht.

Wie wird das Unternehmen von anderen bewertet?

Wenn Sie sich nach einem Vorstellungsgespräch nicht schlüssig sind, verschaffen Ihnen Bewertungsplattformen wie kununu.com oder jobvoting.de einen Blick hinter die Kulissen.

„Bewertungsportale können wichtige Anhaltspunkte für Fragen zu Karrierechancen im Vorstellungsgespräch geben”, so Bettina Sturm. „Allerdings kann die Seriosität der Einträge nicht geprüft werden, da Kommentare anonym sind. Außerdem posten hier eher enttäuschte Mitarbeiter als zufriedene.”

Auch Arbeitgeberrankings wie greatplacetowork.de können Ansatzpunkte liefern. Jedoch gilt auch hier: Kritisch betrachten, denn einige gibt es nur gegen Bezahlung.

Was sagen aktuelle und ehemalige Mitarbeiter?

Bettina Sturm rät auch, aktuelle und ehemalige Mitarbeiter zu finden, die etwas über die Karrierechancen im Unternehmen sagen können. „Vielleicht kennen Sie aus Ihrem Netzwerk jemanden, der dort arbeitet oder aber Sie sprechen über Online-Netzwerke wie Xing Mitarbeiter oder Ex-Mitarbeiter des Unternehmens an”, sagt die Karriereberaterin. „ Auf Jobmessen können Sie Gespräche mit Unternehmensvertretern führen.”

Durch Fragen mehr herausfinden

Auch das Vorstellungsgespräch können Sie dazu nutzen, sich die Entscheidung zu erleichtern. „Durch eigene Fragen können Sie jetzt den Check bezüglich Aufstiegschancen und Karriereentwicklung machen und herausfinden, ob die Firma hält, was sie auf ihrer Webseite verspricht”, erklärt Bettina Sturm und schlägt folgende mögliche Fragen vor:
– Welche Möglichkeiten der Weiterbildung und des beruflichen Aufstiegs bieten diese Stelle und das Unternehmen?
– Gibt es spezielle Förderprogramme zur Talententwicklung?
– Wie und wann erfolgt die Leistungsbewertung?
– Was ist aus Mitarbeitern geworden, die in dieser Abteilung gearbeitet haben?

Wenn Geld die entscheidende Rolle spielt

Das Bedürfnis nach finanzieller Absicherung ist häufig treibend für die Jobsuche. Gerade arbeitslose Stellensuchende können daher häufig nicht lange abwägen, selbst wenn sie einen Job nicht wollen. „In dem Fall empfiehlt sich ein Kompromiss. Sie könnten den Job als Zwischenlösung nutzen und sich parallel kontinuierlich weiterbewerben”, so Bettina Sturm.

Berufsanfänger, die neben Geld auch Erfahrung brauchen, sollten sich fragen, ob sie es zwei Jahre dort aushalten würden. Denn so viel Berufserfahrung brauchen Sie bei einem Arbeitgeber um bei späteren Bewerbungen gute Chancen zu haben.

Wie Sie aus dem Entscheidungsdilemma herausfinden

Wenn Sie in einem wahren Entscheidungsdilemma stecken, empfiehlt Bettina Sturm den Einsatz der Entscheidungswaage. Dieses Tool können Sie relativ unkompliziert selbst anwenden, indem Sie sich etwas Zeit nehmen und dazu Stift und Papier sowie kleine Post-Its in zwei unterschiedlichen Farben (z.B. grün und blau).

Auf das Blatt schreiben Sie Ihre Frage: „Soll ich den Job annehmen?”. Darunter zeichnen Sie eine Apothekerwaage mit zwei Waagschalen. Auf der linken Seite sammeln Sie Argumente für den Job, auf der rechten Seite die dagegen. Schreiben Sie dazu auf die grünen Post-Its positive Argumente, was Sie durch den Job gewinnen würden. Dann bewerten Sie die Wichtigkeit des Arguments auf einer Skala von 0-5 (je höher die Zahl, desto wichtiger das Argument) und kleben Sie diese auf die linke Seite der Waage. Auf die blauen Post-Its schreiben Sie jetzt all Ihre Zweifel, die Sie gegen den Job hegen, bewerten die Argumente wieder auf der Skala von 0-5 und kleben diese auf die andere Seite. Am Ende sollten Sie sehen, welche Seite mehr Gewicht hat.

Wann Sie den Job nicht nehmen sollten

Ein paar Indizien deuten ganz klar darauf hin, dass Sie die Finger von diesem Job lassen sollten. „Wenn Sie sich wirklich sehr schlecht und bedrückt fühlen nach einem Gespräch und merken, dass wichtige Auswahlkriterien nicht passen und auch wenn Sie sehr viel Unsicherheit und Zweifel verspüren bezüglich des Jobs, des zukünftigen Chefs und des Unternehmens, dann sollten Sie sich gegen den Job entscheiden”, meint Bettina Sturm.


Ein Beitrag von Stephanie Thun

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