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Von einem Job in der Musikbranche träumen viele. Die meisten wollen gern selbst im Rampenlicht stehen, aber auch hinter der Bühne sind die Jobs heiß begehrt. Doch wie sieht der Alltag dort wirklich aus? Joe Lewis arbeitet als freiberuflicher Musikjournalist in London und erzählt uns hier von einem typischen Tag aus seinem Arbeitsleben.

Der Wecker klingelt um 6 Uhr morgens, aber das ist keine Überraschung. Ich habe schon darauf gewartet und währenddessen mit geröteten Augen an die Decke gestarrt – mit dem Wodka-Geschmack vom Konzert gestern Abend noch im Mund. Zum Glück war ich schon immer ein Frühaufsteher. Mein Körper ist darauf trainiert, mit sehr wenig Schlaf auszukommen und nach einer Tasse schwarzen Kaffee wieder normal zu funktionieren.

Viel starker Kaffee hilft in den Tag

Frühstück besteht aus zwei Scheiben Toast, als Hauptgang einen mit einem deftigen Aufstrich und zur Nachspeise einen mit Marmelade. Und das Ganze wird mit viel starkem schwarzen Kaffee hinuntergespült – die Menge entspricht wahrscheinlich ungefähr 20 Espressi. Danach bin ich wach.

Als meine Frau das Haus verlässt, um ins Büro zu fahren, zieht sie die typische Grimasse, die bedeutet, dass ich sie aufgeweckt habe, als ich um 4 Uhr morgens vom Konzert nach Hause gekommen bin. Ich entschuldige mich und begebe mich auf die Suche nach meinem iPad. Egal wohin ich es lege – es scheint sich immer von selbst fortzubewegen. Nachdem ich mir das Knie an einer Ecke angestoßen habe, humple ich zum Couchtisch, wo das iPad nun plötzlich aufgetaucht ist. Ich bekomme einen kurzen Schreck, weil es sich nicht sofort einschalten lässt, aber beruhige mich, als das Apple-Zeichen endlich erscheint. Manchmal denke ich, dass es das absichtlich macht, nur damit ich bald einen Herzinfarkt bekomme.

Die Arbeit beginnt mit Facebook und Musik-Blog

Die nächsten drei Stunden verbringe ich damit, Antworten an verschiedene Herausgeber, Presseagenten und interessierte Redakteure zu schicken. Soziale Medien sind ein sehr wichtiges Tool für mich, deshalb logge ich mich auf meiner Facebook- und meiner MySpace-Seite ein. Ich gebe mir die größte Mühe, keine privaten Nachrichten zu lesen und die Millionen Anstupser von Leuten, die ich seit der Grundschule nicht mehr gesehen habe, zu ignorieren. Ich habe auch einen Musik-Blog, in dem ich über Bands schreibe, die ich live gesehen habe. Das ist sehr wichtig, da ich so einen Überblick über ihre Fortschritte habe und eine engere Beziehung zwischen den Künstlern und mir als Journalisten entsteht.

Nun ein Bericht über eine aufstrebende Berliner Band

Nach einer zweiten großen Tasse Kaffee fange ich mit dem Schreiben an. Ich beschließe, einen Artikel über eine aufstrebende Berliner Band zu schreiben und an eine wichtige Zeitung zu schicken, die ihn vielleicht online veröffentlichen könnte. Ich habe Glück: Sie sind einverstanden und nehmen meinen Artikel an. Dann rezensiere ich für eine beliebte Musikzeitschrift einige Alben. Und danach verkaufe ich im Internet DVDs, da ich auf viele verschiedene Live-Konzerte gehe und sich so über die Jahre eine Menge DVDs bei mir angesammelt haben.

Mir fällt ein, dass ich in weniger als fünf Stunden ein Telefoninterview mit einem jungen Rapper habe. Es dauert fünf Minuten, bis ich endlich seinen Agenten erreiche, der – bei lautem T-Rex-Sound im Hintergrund – bestätigt, dass das Interview fix ist, und dann auflegt.

Vorbereitungen für ein Telefoninterview

13.30 Uhr: Ich mache mir ein Schinken-Käse-Sandwich, woraufhin ich mich viel besser fühle. Ich stelle die Teller in die Küche und mache mich daran, so viel wie möglich über den Rapper herauszufinden, den ich in ein paar Stunden interviewen soll. Dabei stelle ich fest, dass sein Album diese Woche erscheint und sein absoluter Lieblingsfilm Scarface ist. Ich bekomme Panik – das reicht als Material nicht wirklich aus, um interessante Fragen für das Interview zu finden und die Leser zu begeistern. Leider fallen mir aber gerade nur Scarface-Zitate ein.

Die nächsten zweieinhalb Stunden vergehen wie im Flug und ich gehe nochmal schnell die Notizen und Fragen für den Rapper durch. Das Telefongespräch nehme ich natürlich auf; interessanterweise findet er meine Fragen zu Scarface lustig und das Interview verläuft super. Ich mache mir Notizen und schreibe anhand der Aufnahme einen Artikel, den ich an den Redakteur der Zeitschrift maile. Dann lehne ich mich zurück und atme erleichtert auf.

17.30 Uhr: Ich bekomme eine E-Mail vom Redakteur, dem mein Interview gut gefällt – er verspricht, es nächste Woche in seiner Zeitschrift zu veröffentlichen. Diese Nachricht feiere ich, indem ich mir „Halt dich an mir fest“ von Adoro anhöre.

20.00 Uhr: Meine Frau kommt nach Hause und stellt fest, dass ich nicht abgewaschen habe. Dafür erkläre ich mich bereit, das Abendessen zu kochen, was bedeutet, dass ich einfach Hühnerfleisch und eine Menge Gemüse kleinschneide und Nudeln dazu koche. Nach dem Abendessen fallen wir auf’s Sofa. „Was hast du heute gemacht?“, fragt sie. „Nicht viel“, sage ich.

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