Die Buch- und Verlagsbranche in Deutschland ist groß und renommiert. Die Arbeits- und Ausbildungsplätze sind heiß begehrt, denn kaum eine andere Branche bietet so facettenreiche Jobs wie das Verlagswesen. Allerdings machen Einsparungsmaßnahmen und Outsourcing die Lage für Bewerber schwierig. Wir sagen Ihnen, wie Sie den Einstieg schaffen und mit welchen Softskills Sie überzeugen können.

Deutschland ist Bücherland: Mehr als 2000 Verlage gibt es hierzulande. Diese haben 2013 knapp 82.000 Titel in Erstauflage herausgebracht. Und nicht nur für Leseratten und Bücherwürmer sind die vielen Buch- und Zeitschriftenverlage bedeutend. Mit 118.873 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Ende 2013 ist das Verlagswesen eine wichtige Größe des hiesigen Arbeitsmarktes. Wer von einer Karriere in der Buch- und Zeitschriftenbranche träumt, sollte sich vor allem in den großen Verlagsorten nach Jobs, Praktika oder Volontariaten umsehen: Berlin, München, Hamburg, Stuttgart, Köln und Frankfurt am Main.

Ausbildungs- und Arbeitsplätze sind hart umkämpft

Von einem abwechslungsreichen Job in einem der renommierten Verlagshäuser wie zum Beispiel Springer, Random House, Cornelsen oder Haufe träumen viele. Allerdings ist es gar nicht so einfach, einen Fuß in die Tür zu kriegen. Die Ausbildungsplätze – insgesamt 2.173 im Jahr 2013 – sind heiß begehrt. Alternativ ebnet ein Praktikum den steinigen Berufsweg ins Verlagswesen. Denn die vielerorts durch Sparmaßnahmen ausgedünnte Personaldecke kann fleißige und engagierte Praktikanten gut gebrauchen. Die sollten das Praktikum allerdings eher als Teil der Ausbildung und nicht unbedingt als Nebenerwerb sehen. Bezahlt wird meist wenig bis gar nichts. Dafür sind die Aufgabenbereiche in einem Verlag so mannigfaltig, wie in kaum einer anderen Branche. Abwechslung steht auf der Tagesordnung – sowohl im Praktikum als auch später in einem der unzähligen Berufe, die die Buch- und Verlagsbranche zu bieten hat.

Studium oder Ausbildung – es gibt viele Möglichkeiten

Viele Wege führen nach Rom und noch mehr ins Verlagswesen. Auch wenn die Jobs hart umkämpft sind, Studiengänge und Berufsausbildungen, mit denen man eine Karriere in einem Verlag anstreben kann, gibt es reichlich. Wir stellen Ihnen einige Studien- und Ausbildungsberufe für Buchhandel und Verlagswesen* vor:

Lektor/in – Verlage

  • verlangt ein abgeschlossenes Studium in einem einschlägigen Studienfach, z.B. Buchhandel, Verlagswirtschaft, Germanistik
  • Arbeitgeber: hauptsächlich Verlage, auch Lektorate, Agenturen, Softwareverleger, Webportale
  • Aufgaben: Korrektur und Finalisierung von Manuskripten in Zusammenarbeit mit den Autoren, Entwicklung von Programmstrategien und Produktideen für den Verlag, Autorensuche, Marketing

Ingenieur/in – Verlagswirtschaft

  • verlangt ein abgeschlossenes Studium der Medienproduktion (Bachelor oder Master)
  • Arbeitgeber: Verlagshäuser, DTP-Studios, Druckereien, Softwarehersteller
  • Aufgaben: z.B. Medienmanagement, Medienproduktion, Vertrieb und Verkauf

Literaturagent/in

  • verlangt ein abgeschlossenes Studium, z.B. im Bereich Literatur-, Buch- bzw. Medienwissenschaft
  • Arbeitgeber: Verlage und Autorenagenturen
  • Aufgaben: Verhandlung von Buchrechten, Kontrolle von Abrechnungen und Zahlungen

Buchhändler/in

  • Zugangsvoraussetzungen: abgeschlossene Berufsausbildung als Buchhändler/in
  • Mögliche Arbeitgeber: Bucheinzelhandel, Buch- und Zeitschriftenverlage, Zwischenbuchhandel
  • Aufgaben: Kaufen, Präsentieren und Verkaufen von Büchern und anderen Medien, Aufgaben im Rechnungswesen

Mediengestalter/in Digital und Print

  • Zugangsvoraussetzungen: abgeschlossene duale Ausbildung als Mediengestalter/in Print Digital und Print
  • Mögliche Arbeitgeber: je nach Fachrichtung z.B. Werbeagenturen, Verlage, Archive
  • Aufgaben: Gestalten und Erstellen von Medienprodukten

Medienkaufmann/-frau Digital und Print

  • Zugangsvoraussetzungen: abgeschlossene Ausbildung im Verlagsgewerbe, auch schulische Ausbildung möglich
  • Mögliche Arbeitgeber: Medienhäuser, Verlage, Großhandel
  • Aufgaben: Kundenberatung, Entwicklung und Umsetzung von Marketingkonzepten, Gestaltung und Herstellung von Medienprodukten

Auch Quereinsteiger haben Chancen

Mit einer Weiterbildung lässt sich der Traum von einem Job in der Buch- oder Verlagsbranche ebenfalls verwirklichen – zum Beispiel als Medienbetriebswirt/in oder Buchhandelsfachwirt/in. Und auch Quereinsteiger haben Chancen: Nicht selten findet man unter den Redakteuren und Lektoren Spezialisten für ein bestimmtes Fachgebiet, deren Berufsgrundlage zum Beispiel ein Chemie- oder Politologie-Studium sein kann. Darüber hinaus können auch ein Abschluss in Fotografie, Journalistik, Kommunikationswissenschaften oder ein Studium im Bereich Medienwissenschaft bzw. –wirtschaft zum Ziel führen.

Die Softskills – hohe Ansprüche an die Bewerber

In einem Artikel der Zeitschrift Brigitte wird der ideale Verlagsmitarbeiter als „spezialisiertes Multitalent“ beschrieben: „ein technisch versiertes, sprachgewandtes, flexibles, wirtschaftlich denkendes Organisationsgenie mit einem Minimum an materiellen Ansprüchen“. Wer sich den Job eines Lektors oder einer Verlagsvertreterin also mit zu viel Idealismus vorgestellt hat, wird schnell von der Realität eingeholt. Ein Bestseller à la Harry Potter oder einen neuen Star am Autorenhimmel zu entdecken, ist wie ein Sechser im Lotto.

Ansonsten darf man zum Beispiel als Lektor in der Zusammenarbeit mit Autoren, Agenten und Übersetzern keinesfalls konfliktscheu sein und muss neben einem hervorragenden Sprachgefühl auch ein sicheres Verhandlungsgeschick an den Tag legen. Als Verlagsvertreter hat man maßgeblich Einfluss darauf, welche Titel in den Buchhandlungen vorrätig sind und wie engagiert diese beworben und empfohlen werden. Der Berufsalltag ist geprägt von vielen Handelsreisen, das ist anstrengend. Dabei muss der Verlagsvertreter ein Gespür für Trends auf dem Buchmarkt haben, gut verhandeln können und erfolgreiche Überzeugungsarbeit leisten.

 


Quellen: www.abi.de, http://www.boersenblatt.net

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