Spazierengehen mit Senioren, Spendensammlung für Obdachlose, Bereitschaftsdienst bei der Feuerwehr, Unterstützung in Flüchtlingsunterkünften – Möglichkeiten sich privat zu engagieren gibt es viele. Das ist nicht nur wichtig für unsere Gesellschaft, sondern bringt nebenbei auch Pluspunkte bei der Bewerbung. Welche Vorteile ein Ehrenamt bei der Jobsuche hat und wie Sie Fehler Sie vermeiden, lesen Sie hier.

Auch wenn im Rahmen der aktuellen Flüchtlingsdebatte tägliche Negativschlagzeilen zu Pegida, Heidenau und protestierenden „Besorgtbürgern“ den Fakt in den Hintergrund rücken lassen: Jeder dritte Deutsche engagiert sich freiwillig – nicht nur für Flüchtlinge sondern in den verschiedensten Bereichen. 36 Prozent aller Bundesbürger ab 14 Jahren waren 2009 in irgendeiner Form ehrenamtlich oder freiwillig engagiert, besagt der letzte Freiwilligensurvey der Bundesregierung. Sie brachten sich zum Beispiel in Vereinen, Initiativen, Projekten, Selbsthilfegruppen oder sozialen Einrichtungen aktiv ein – unbezahlt oder nur gegen eine geringe Aufwandsentschädigung.

Bis Ende dieses Jahres soll die Auswertung der vierten Welle des Freiwilligensurveys aus 2014 vorliegen. Mit einem Anstieg der Hilfsbereitschaft in Deutschland ist zu rechnen. Einer aktuelleren Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zufolge engagieren sich 45 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung in irgendeiner Form freiwillig, die Hälfte von ihnen in einer festen Aufgabe oder einem Ehrenamt.

Pluspunkt Ehrenamt – Bewerber und Unternehmen profitieren

Soziales Engagement nötigt jedem Respekt ab. Auch Unternehmen würdigen die freiwillige Arbeit und so kann der Hinweis auf die Ausübung eines Ehrenamts in Ihrem Lebenslauf durchaus von Vorteil sein. Es beweist nicht zuletzt Ihre Eigeninitiative und Ihr Verantwortungsbewusstsein. Zudem können Sie von ehrenamtlichen Erfahrungen auch beruflich profitieren. Teamfähigkeit, Planungs- und Organisationstalent oder Kommunikationsfähigkeit sind für Unternehmen wichtige Softskills, die man durchaus auch bei der Freiwilligen Feuerwehr, im Bereich der Senioren- oder Jugendarbeit, bei der Mithilfe in einem Sportverein oder im Rahmen der Flüchtlingshilfe braucht. Engagieren Sie sich in berufsnahen Interessenverbänden, können Sie mit interessanten Kontakten aufwarten. Und auch so manche Lücke im Lebenslauf verliert mit dem Hinweis auf ein ehrenamtliches Engagement zu der Zeit ihren Schrecken.

Engagierte Mitarbeiter sind gut fürs Image

Auch in Bezug auf eine attraktive und authentische Arbeitgebermarke gehören Bewerber, die sich in ihrer Freizeit für gemeinnützige oder soziale Projekte einsetzen, zu den Kandidaten mit gewissen Vorzügen. Unternehmen wissen, dass die Mitarbeiter eine Strahlkraft auf ihr Image als Arbeitgeber haben. Engagiert arbeitende Kollegen, die zudem einen Beitrag für die Gesellschaft leisten, sind somit ein positives Aushängeschild für die Firma. Dabei kommen soziales Engagement und die Arbeit mit Menschen bei Personalern in der Regel am besten an. Aber auch freiwillige Tätigkeiten, die mit dem eigenen Berufsfeld in Verbindung stehen und Praxiserfahrung mit sich bringen, sind in Bewerbungen gern gesehen. Für das Unternehmen sind aber nicht die Namen der Vereine oder die Anzahl der Aktionen, die Sie unterstützt haben, interessant, sondern was Sie dabei gelernt haben und nun im Unternehmen einbringen können.

Wo gehört das Ehrenamt in der Bewerbung hin?

Können Sie in Ihrem Lebenslauf mit einer ehrenamtlichen Tätigkeit punkten, so sollten Sie den Hinweis darauf nicht irgendwo unter der Rubrik „Hobbys“ verstecken. Listen Sie entsprechende Aktivitäten unter dem Punkt „Ehrenamtliche Tätigkeiten“ auf mit Datumsangabe und kurzer Inhalts- bzw. Tätigkeitsbeschreibung. Ihre freiwillige Arbeit dürfen Sie auch im Anschreiben erwähnen, sofern sie einen direkten Bezug zu den im Stellenprofil genannten Anforderungen hat. Betonen Sie in einem Satz, welche Erfahrungen und Fähigkeiten Sie dadurch zum Vorteil des Unternehmens mitbringen. Aber Achtung: Konstruieren Sie nicht mit Gewalt einen Zusammenhang zwischen Ehrenamt und künftigem Job, der eigentlich nicht da ist.

Realistisch bleiben – Nicht jede gute Tat ist gleich ein Ehrenamt

Wer sich in der Bewerbung mit einer ehrenamtlichen Tätigkeit schmückt, nur um seine Einstellungschancen zu erhöhen, kommt nicht weit. Personaler erkennen in der Regel, ob Sie sich mit Herz und Verstand freiwillig engagieren oder ein einmaliges Schneeschaufeln in der Einfahrt nebenan zur aktiven Nachbarschaftshilfe aufrüschen. Da bedarf es nur einiger kurzer Nachfragen und schon sind Aufschneider entlarvt. Besondere Vorsicht ist auch bei politischem Engagement geboten. Wer damit punkten will, ohne die Ansicht des Arbeitgebers zu kennen, sollte inhaltliche Positionen vermeiden und lieber die Fähigkeiten hervorheben, die durch die politische Arbeit erlangt wurden.

Auch ein paar Stunden können helfen

Übrigens: Wer privat helfen und andere unterstützen möchte, aber durch Familie, Beruf oder Studium keine Zeit für ein festes Ehrenamt hat, kann sich in sogenannten Kurzzeit-Engagements wie zum Beispiel „Heute ein Engel“ einbringen. Dabei werden kurze Einsätze – meist für einige Stunden oder Tage – in verschiedenen sozialen Projekten vermittelt. Einen guten Überblick über die vielen Hilfsmöglichkeiten und Initiativen in Deutschland gibt die Seite des Deutschen Engagementpreis (www.deutscher-engagementpreis.de).

 


Quellen:https://www.deutscher-engagementpreis.de/news-und-service/engagement-links/

http://www.unicum.de/karriere/richtig-bewerben/lebenslauf/ehrenamt-im-lebenslauf/

https://www.lecturio.de/magazin/freiwilliges-engagement/

http://www.ifd-allensbach.de/uploads/tx_studies/Engagement_Motive_Bericht.pdf

http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/publikationen,did=165004.html

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