Über Wochen und Monate suchen Sie nach einem Job. Sie wälzen Stellenanzeigen, recherchieren Unternehmen und schreiben eine Bewerbung nach der anderen. Alles setzen Sie daran, endlich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.

Und dann ist es endlich so weit: Sie haben einen Termin bei einem Ihrer Wunscharbeitgeber! Doch dann folgt meist eine typische Situation: Sie beginnen zu zweifeln, sind nervös und besorgt, haben vielleicht sogar Angst.

Vorhersehbare Fragen – aber bitte keine Standardantworten

„Mehr als 90 Prozent aller Fragen, die in einem Vorstellungsgespräch gestellt werden, sind vorhersehbar und damit kalkulierbar“, schreiben Carolin und Heiko Lüdemann in ihrem Ratgeber „Die 111 wichtigsten Fragen im Vorstellungsgespräch“. So wird Ihnen etwa in jedem Bewerbungsgespräch der Klassiker nach Ihren Stärken und Schwächen begegnen, nur wird die Frage immer anders gestellt.

Kein Grund zur Nervosität also. Aber bitte lernen Sie jetzt keine Standardantworten für die vorhersehbaren Fragen auswendig. Damit nämlich sind Sie nicht authentisch und schaffen sich eine sichere Methode, den Job nicht zu bekommen.

Die Autoren ermutigen Bewerber stattdessen dazu, sich über die Hintergründe der vorhersehbaren Fragen Gedanken zu machen und sich zu überlegen, welche Botschaft sie übermitteln wollen. Natürlich hängen die konkreten Inhalte immer von Ihrem spezifischen Hintergrund ab.

Hier sind einige der wichtigsten Fragen im Vorstellungsgespräch mit je einer guten Antwortmöglichkeit:

1. „Wie würden Sie sich selbst charakterisieren?“

„Ich lerne gern und möchte andere Menschen dabei unterstützen, ihre Potenziale besser zu nutzen. Lassen Sie mich ein wenig weiter ausholen …“

Damit haben Sie fürs Erste einige Ihrer Stärken genannt, die Sie noch weiter verdeutlichen können. Lassen Sie Ihren Gesprächspartner an Ihrem Denkprozess teilhaben, denn dann wirken Sie glaubwürdig und authentisch.

2. „Wo liegen Ihre Stärken und Schwächen?“

„Bezogen auf diese Stelle würde ich sagen, dass ich begeisterungsfähig, kreativ und teamorientiert bin. Ich kann es gern an einem Beispiel verdeutlichen… Eine Schwäche von mir ist, dass ich manchmal dazu neige, meinen Schreibtisch chaotisch zu hinterlassen.”

Sie beziehen sich hier bei Ihren Stärken direkt auf die Stelle. Seien Sie bei der Frage nach Ihren Schwächen aber nie zu großzügig, indem Sie im Vorstellungsgespräch gleich eine Reihe von Schwachpunkten preisgeben. Wählen Sie eine Schwäche, die akzeptabel erscheint.

3. „Arbeiten Sie lieber im Team oder alleine?“

„Das kommt ganz auf die Situation an. Aus Erfahrung weiß ich, dass beide Arbeitsweisen nach Aufgabenstellung richtig eingesetzt werden müssen. Routineaufgaben erledigt man besser allein, aber neue Lösungen kann man am besten im Team entwickeln.“

Hier zeigen Sie, dass es im Vorstellungsgespräch kein „entweder – oder“ gibt, sondern ein „sowohl – als auch“. Durch die Beispiele wird Ihrem Gegenüber deutlich, dass Sie das verstanden haben.

4. „Wie gehen Sie mit Stress um?“

„Ich habe gelernt, mit Stress umzugehen und einen kühlen Kopf zu bewahren. Wenn ich die Prioriäten kenne, kann ich meine Zeit richtig planen und Luft für Unvorhergesehenes lassen.“

Diese Argumente wird Ihr Gesprächspartner gern hören. Ein Mitarbeiter, der nach Prioritäten fragt und Unvorhergesehenes einplant – was will Chef mehr?

5. „Warum wollen Sie bei Ihrem jetzigen Arbeitgeber kündigen?“

„Ich befinde mich in einer Sackgasse, weil es dort einfach keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr gibt. Ich suche neue Aufgaben und mehr Verantwortung in einem innovativen Unternehmen.“

Sie sagen nichts Negatives über Ihre Branche, Ihr bisheriges Unternehmen oder einen Ihrer Chefs. Solche Bemerkungen würden im Vorstellungsgespräch den Eindruck vermitteln, dass Sie über jeden neuen Arbeitgeber auch so reden würden.

6. „Sie waren längere Zeit ohne Anstellung. Was haben Sie in dieser Zeit gemacht?“

„Ich habe mich neu orientiert, viel gelesen und im Internet recherchiert, um mir darüber klar zu werden, wie sich mein berufliches Tätigkeitsgebiet verändern wird und wie ich mich darauf vorbereiten kann.“

Sie machen deutlich, dass Ihnen durch Weiterbildungsaktivitäten ein konkreter Nutzen für den Arbeitgeber entstanden ist. Je konkreter die Aktivitäten, desto besser! Verfallen Sie aber nicht ins Jammern – das ist hier im Vorstellungsgespräch fehl am Platz.

7. „Warum wollen Sie in unserem Unternehmen arbeiten?“

„Ich habe Ihr Unternehmen in der Presse und im Internet beobachtet und dabei ist mir aufgefallen, dass Ihre Unternehmensphilosophie mich selbst ganz besonders anspricht. Ich erkläre gerne warum das so ist.“

Sie zeigen, dass Sie sich mit den Werten, Produkten, Dienstleistungen und der konkreten Aufgabe des Unternehmens identifizieren.

8. „Warum sollten wir uns für Sie entscheiden?“

„Ich habe mich hier beworben, weil mich das Unternehmen und die Aufgabe sehr ansprechen. Nachdem ich jetzt ein besseres Bild über die Anforderungen habe, denke ich, dass ich den Aufgaben gewachsen bin und Ihnen schnell Nutzen bringen werde.“

Sie erkennen Ihre eigenen Vorzüge und glauben an sich. So wirken Sie selbstbewusst auf den Leiter des Vorstellunggesprächs und das erhöht Ihre Chancen auf den Job.

9. „Welche Gehaltsvorstellung haben Sie?“

„Ich habe mir im Vorfeld viele Gedanken über die Stelle gemacht und jetzt, nachdem wir gesprochen haben, bin ich mir sicher, dass ich den Anforderungen gewachsen bin. Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 42.000 Euro im Jahr.“

Sie machen eine konkrete Gehaltsforderung. Untermauern Sie Ihre Vorstellungen, indem Sie Ihre Vorzüge und auch die verantwortungsvolle Position wiederholen, die ein Gehalt in der Höhe rechtfertigt.

 


„Die 111 wichtigsten Fragen im Vorstellungsgespräch“ von Carolin Lüdemann und Heiko Lüdemann ist im Redline Verlag erschienen und für 17.90 Euro im Handel erhältlich. ISBN 978-3-86881-012-7.

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