08.07.2014 -

Es gibt Jobs, die möchte wirklich niemand machen. Wenn Sie jetzt an Berufe wie Bestattungsunternehmer, Klärwerkstaucher oder Tatortreiniger denken, haben Sie nicht einen Top-Ten-Treffer in der Liste der unbeliebtesten Berufe gelandet. Die unbeliebtesten Arbeitsplätze finden sich in ganz anderen Unternehmen…

Werden Deutsche gefragt, welchen Beruf sie keinesfalls ausüben möchten, erwartet man unter den häufigsten Nennungen Außenseiterjobs mit Ekelfaktor – Klärwerkstaucher zum Beispiel oder Knochenpräparator. Oder zumindest Berufe, in denen man extremen körperlichen Belastungen ausgesetzt ist wie beispielsweise Bergleute, Fliesenleger oder Bäcker.

Aber nein: Laut einer Erhebung des Marktforschers Toluna im Auftrag der Kommunikationsagentur Faktenkontor tummeln sich in den Top Ten der unbeliebtesten Berufe der Bankkaufmann, der Grundschullehrer, der Politiker und der Versicherungsvermittler. Sogar der Arztberuf schaffte es unter die zehn häufigsten Nennungen genau wie der Fernfahrer, die Reinigungskraft, der Landwirt, der Journalist und der Straßenarbeiter.

Bloß nicht Klinken putzen

Der mit Abstand unbeliebteste Job in dieser Rangliste ist der des Versicherungsvertreters. Fast jeder zweite würde lieber jeder anderen Arbeit nachgehen als umgangssprachlich Klinken zu putzen und Versicherungen zu verkaufen. Dabei können erfolgreiche Versicherungskaufleute im Laufe ihrer Karriere recht gut verdienen. Laut Lohnspiegel.de beträgt deren Bruttomonatseinkommen auf Basis einer 38-Stunden-Woche ohne Sonderzahlungen im Durchschnitt knapp 3.500 Euro. Mit entsprechender Berufserfahrung lassen sich in großen Unternehmen auch weit über 4.000 Euro monatlich verdienen.

Politiker zu sein genauso unpopulär wie Fernkraftfahrer

An zweiter Stelle der unbeliebtesten Berufe steht mit 30 Prozent der des Politikers. Selbst die stattliche Diät eines Bundestagsabgeordneten von rund 8.252 Euro monatlich reicht als Schmerzensgeld nicht aus, um den Job in den Augen der Bevölkerung attraktiv zu machen. Zu negativ ist inzwischen das Image dieses Berufsstandes.

Mit 29 Prozent ähnlich unattraktiv ist der Job des Fernfahrers, zumal diese von einem Politikergehalt nur träumen können. Ihr Jahresgehalt liegt im Durchschnitt bei etwa 27.000 Euro mit großen regionalen Unterschieden. Während Berufskraftfahrer in Hessen knapp 30.000 Euro im Jahr erhalten, müssen sich ihre Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern mit knapp 10.000 Euro weniger zufrieden geben.

Trotz gutem Gehalt: Bankkaufleute und Grundschullehrer unbeliebt

Auch Bankkaufleute und Grundschullehrer landen in der Gunst der Deutschen auf den hinteren Rängen, obwohl beide Berufe mit ordentlicher Vergütung locken. Laut Lohnspiegel.de können sich Bankkaufleute im Durchschnitt über 3.621 Euro monatlich freuen, mit entsprechender Berufserfahrung liegt das Gehalt deutlich höher. Darüber hinaus erhalten rund 30 Prozent von ihnen eine Gewinnbeteiligung. Durch die Bankenkrise geriet das Berufsbild jedoch zunehmend in die Kritik und wird nun von 15 Prozent der Deutschen kategorisch abgelehnt.

Mit 22 Prozent trifft es die Grundschullehrer noch härter. Vermutlich schreckt das Bändigen und Lehren aufgeweckter Erst- bis Viertklässler so sehr ab, dass nicht einmal die Chance auf Verbeamtung, ein durchschnittliches Jahresgehalt von 40.000 Euro am Berufsanfang und knapp 54.000 Euro am Ende der Laufbahn sowie die rund 75 Ferientage jährlich den Beruf des Grundschullehrer attraktiver machen.

Unbesetzte Lehrstellen in der Gastronomie

Ein Blick auf den Lehrstellenmarkt in Deutschland zeigt, dass vor allem Berufe in der Hotellerie und im Gastgewerbe zunehmend an Attraktivität verlieren. Ausbildungsplätze zum Restaurantfachmann/ -frau, Fachmann/ -frau für Systemgastronomie, Fachkraft im Gastgewerbe, Hotelkaufmann/ -frau oder Koch/ Köchin bleiben oftmals unbesetzt. „Die jungen Leute fragen sich nicht nur, wie attraktiv die Ausbildung ist, sondern auch welche Aufstiegs- und Entwicklungschancen sie haben und wie attraktiv die Beschäftigung nach der Ausbildung ist“, sagt Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstitutes für Berufsbildung (BIBB) gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“. Manche Branchen wie etwa die Gastronomie können seiner Ansicht nach die Jugendlichen nicht überzeugen.


Quellen: www.welt.de, www.statista.de, www.lohnspiegel.de, www.gehaltsvergleich.de, www.spiegel.de, www.ksta.de

Bildquelle: © Minerva Studio – Fotolia.com