Wenn Menschen sich über ihre Arbeit unterhalten, tauschen sie oft Überzeugungen aus, die nicht hinterfragt werden. Doch viele davon sind nichts weiter als Lügen.

Diese Lügenmärchen hindern uns am beruflichen Erfolg und nehmen uns dazu die Lebensfreude. Der Autor, Trainer und Berater Marco von Münchhausen hat sich sieben dieser gängigen Mythen vorgeknöpft, und will sie in seinem Buch „Die sieben Lügenmärchen von der Arbeitswelt“ endlich aus der Welt schaffen.

Erfahren Sie hier, warum es besser ist, sich von diesen Lügenmärchen frei zu machen und wie Sie dadurch besser leben und arbeiten können.

Lügenmärchen Nr.1: „Je mehr Geld ich verdiene, desto glücklicher bin ich“

„Geld = Glück“ – auf diesem Grundgedanken beruht unsere Kultur, doch diese Formel geht nicht ganz auf. Ein wahrer Kern steckt zwar in ihr: Bis zu einer bestimmten Einkommensstufe, die zur Abdeckung der Grundbedürfnisse erforderlich ist, spielen die Finanzen in Sachen Glück eine entscheidende Rolle. Wenn allerdings die Grundbedürfnisse erfüllt sind, bedeutet mehr Geld nicht automatisch mehr Glück – im Gegenteil: Es schafft genauso Probleme wie das Fehlen von Geld. Verantwortlich dafür sind drei Ursachen: Der Gewöhnungseffekt, die ständig steigenden Ansprüche und die verhängnisvolle Vergleichsfalle.

Lügenmärchen Nr. 2: „Nur ein sicherer Job ist ein guter Job“

Sicherheit ist ein menschliches Grundbedürfnis – soweit zum wahren Kern dieses Lügenmärchens. Jedoch ist unser Dasein von unvorhersehbaren Ereignissen geprägt, gegen die sich niemand absichern kann. Die einzige Chance damit umzugehen, beruflich wie privat: dafür offen sein und lernen, mit Unsicherheit und Risiko zu leben. Denn nicht die Sicherheit des Erlangten, sondern vor allem die Fähigkeit, immer wieder neue Risiken einzugehen, führt zum Erfolg. Quälen Sie sich also nicht jahrelang mit einem Job herum, der Ihnen keine Freude bereitet, nur weil er sicher zu sein scheint. Schätzen Sie Ihre Möglichkeiten ab, und suchen Sie auch mal nach neuen Herausforderungen.

Lügenmärchen Nr. 3: „Je leichter der Job, desto besser das Leben“

Die Arbeit so leicht wie möglich zu gestalten und Freude und Erfüllung außerhalb des Arbeitsplatzes zu suchen, scheint im Trend zu liegen. Allerdings liefern neuere wissenschaftliche Untersuchungen Hinweise darauf, dass die Minimierung der Arbeit bei gleichzeitiger Maximierung der Freizeit nicht unbedingt zur absoluten Zufriedenheit führt. Zu viel Arbeit ist jedoch auch keine Lösung, denn dieser Zustand macht krank. Auf die Balance kommt es also an. Der Spaß an Arbeit entsteht auf dem schmalen Grad zwischen Überforderung und Unterforderung – genau dann, wenn die Herausforderung mit unseren Fähigkeiten im Einklang steht oder sie vielleicht sogar ein wenig übersteigt.

Lügenmärchen Nr. 4: „Ob mein Job einen Sinn hat, ist doch egal“

Nahezu 90 Prozent der deutschen Arbeitnehmer scheinen sich schwer damit zu tun, im Beruf mehr als nur einen Broterwerb zu sehen. Doch das Sinnbedürfnis ist tief im Menschen verwurzelt. Wie stark es ist, zeigt das Phänomen Arbeitslosigkeit. Die bedeutet heute zwar nicht mehr zwangsläufig Armut und Hunger, hat aber bei fast jedem psychosoziale Folgen: Unzufriedenheit, Depression, sinkendes Selbstwertgefühl und Resignation. Der Sinngehalt kann eine Menge anderer Defizite kompensieren – von schlechter Bezahlung bis mangelnder Motivation. So betrachtet lohnt es sich, einen Sinn in seinem Beruf zu finden.

Lügenmärchen Nr. 5: „Ohne mich läuft hier gar nichts“

Gehören Sie zu denjenigen, die viel wissen und können, sich stark engagieren und die meiste Arbeit leisten, da es Ihnen sonst zu lange dauert oder nicht hundertprozentig korrekt wird? In unserer Gesellschaft wird die Leistung des Einzelnen hoch angesehen. Das fängt in der konkurrenzorientierten Ausbildung in Schule und Hochschule an. Und auch Helden aus Kunst und Naturwissenschaften sind meist Einzelkämpfer. Doch Unternehmen brauchen das Individuum und die Gemeinschaft, denn in den meisten modernen Unternehmen kann heute der Einzelne keine Spitzenleistung mehr erbringen, ohne mit anderen zu kooperieren.

Lügenmärchen Nr. 6: „Lob? Brauche ich nicht!“

Lob und Anerkennung bleiben in der heutigen Arbeitswelt häufig auf der Strecke. Der Einzelne ist letztlich nur ein Rädchen unter vielen Millionen anderen, und die Konkurrenz um die knappe Ressource Aufmerksamkeit ist hoch. Doch ohne Anerkennung verkümmern wir. Aber wie bekommen Sie Lob, ohne auf plumpe Methoden wie „Fishing for Compliments“ zurück zu greifen? Ein paar Tipps: Zeigen Sie Ihrem Chef, wenn Ihnen etwas gut gelungen ist; stellen Sie Ihre eigenen Fähigkeiten und Qualitäten deutlicher heraus; demonstrieren Sie Glaubwürdigkeit mit Eigenschaften wie Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit und lenken Sie auch mal die Aufmerksamkeit auf andere – denn so werden auch Sie besser wahrgenommen.

Lügenmärchen Nr. 7: „Ich habe doch längst ausgelernt“

Viele Unternehmen setzen Weiterbildungsmaßnahmen nicht gerade effektiv ein. Doch das bedeutet nicht automatisch, dass Lernen Unsinn ist. Niemand muss lernen (wenn er nicht gerade vom Chef oder der Bundesagentur für Arbeit dazu verdonnert wurde). Aber wer die Chance hat, zu lernen, tut gut daran, sie auch zu nutzen. Denn wer aufhört zu lernen, hat aufgehört, das Beste aus sich zu machen. Weiterbildung kann für Sie zum Ziel haben, eine(r) der Besten in Ihrem Bereich zu werden. Oder Sie setzen sich zum Ziel, aus sich und Ihrem Berufsleben einfach das Beste zu machen. Dabei muss es gar nicht zwingend um Ehrgeiz und Karriere gehen. Wenn Ihnen Ihr Fach Freude macht, dann haben Sie wahrscheinlich auch einfach so Spaß daran, gut zu sein und immer besser zu werden.

 


Das Buch „Die sieben Lügenmärchen von der Arbeit” von Marco von Münchhausen, erschienen im Campus Verlag, ist für €19,90 im Buchhandel erhältlich: ISBN: 978-3-593-38787-1

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