Eine erfolgreiche Jobsuche hängt von vielen Dingen ab. Darunter sind Faktoren, die völlig außerhalb Ihrer Macht liegen. Doch die wichtigsten Faktoren haben Sie in der Hand: Wenn Sie die gravierendsten Fehler vermeiden, sind Sie Ihrem Traumjob schon ein gutes Stück näher.

„Zwar ist eine Bewerbung insgesamt ein hochkomplexer Prozess, jedoch lauern überall kleine, aber entscheidende Fettnäpfchen und wer die erwischt, hat schnell seine Chance auf den neuen Job verspielt”, sagt Christoph Burger. Aus seiner 15-jährigen Erfahrung als Bewerbungscoach kann der Diplom-Psychologe von so einigen Fehltritten berichten, durch die sich Bewerber die Chance auf den neuen Job selbst verspielt haben.

Für CareerBuilder hat Burger einige der größten Bewerbungsfehler zusammengestellt. Wenn Sie um diese Fehler einen Bogen machen, rückt Ihr Traumjob in greifbare Nähe.

Mit Arroganz kommt man nicht weit

Der erste Eindruck ist beim Vorstellungsgespräch entscheidend. Auch Christoph Burger hat in seiner langjährigen Tätigkeit als Coach einen scharfen Blick für den ersten Eindruck entwickelt und kann Bewerber schnell einschätzen. „Ich erinnere mich an einen Jobsuchenden, der mich zunächst mit seinen Leistungen im letzten Job beeindruckte. Doch dann schimpfte er los, im letzten Bewerbungsgespräch sei da ein 20 Jahre jüngerer Personalchef gesessen, der habe ja wohl keine Ahnung und könne ihn doch gar nicht beurteilen.” Ein Fehler, so Burger. Denn: „Wer sich dermaßen arrogant verhält, wird kein Jobangebot erhalten.”

Völlig ahnungslos ins Vorstellungsgespräch

Während eines seiner Seminare stellte Burger fest, dass viele Bewerber den Sinn eines Vorstellungsgesprächs falsch verstehen. „Sämtliche Teilnehmer dachten, das Vorstellungsgespräch sei dazu da, etwas über das Unternehmen und die Stelle zu erfahren”, sagt er. Doch genau das zählt zur Vorbereitung und sollte folglich vor dem Gespräch geschehen. Der Bewerbungscoach rät, sich vorher selbst zu fragen, warum man in diesem Unternehmen arbeiten will, denn gerade diese Aussagen interessieren den potenziell neuen Arbeitgeber.

Das Arbeitszeugnis wurde zum Verhängnis

Burger erinnert sich an einen jungen Ingenieur, der nach dem Studium erst einen Job hatte und folglich auch erst ein Arbeitszeugnis. „Aber das Zeugnis aus dieser Stelle war schlecht — und er wusste es nicht!” berichtet der Karriere-Coach. Viele Arbeitszeugnisse sind so geschrieben, dass sie nicht merklich negativ klingen, aber Personaler wissen genau, wie sie bestimmte Formulierungen zu deuten haben. „Schließlich hatte er in einem Seminar herausgefunden, dass sein Zeugnis schlecht war und damit hatte er auch den Schlüssel für seine erfolglosen Bewerbungen.”

Networking ist gar nicht so schwer

„Einen neuen Job fand der Ingenieur dann recht schnell: Er hat auf einer Party sein kleines Jobproblem angesprochen und ein anderer Gast konnte ihm helfen”, so Burger. Weniger Erfolg hatte ein Arbeiter, der bereits sechs Monate auf Suche war. „Während einer Beratungssitzung sagte er mir, dass die Firma seiner Ehegattin Personal sucht”, meint der Coach. Es stellte sich jedoch heraus, dass er das nicht etwa von seiner Frau erfahren hatte, sondern über eine Stellenanzeige. „Fragen Sie immer zuerst Freunde und Verwandte, ob sie von einem freien Job wissen — das zählt zum Einmaleins des Netzwerkens. Das Ziel ist immer, sich zu bewerben, bevor die Stelle ausgeschrieben wird und die Konkurrenz sich vervielfacht”, erklärt Burger.

Den Gesprächspartner an die Wand geredet

Auch übermäßige Beredsamkeit ist in Gesprächen nicht immer ideal. So erging es einem Produktionsspezialisten, der laut Burger zahlreiche Vorstellungsgespräche besuchte und lange, intensive Gespräche mit Personalmanagern, Geschäftsführern und Produktionsleitern führte. Ein Jobangebot erhielt er aber trotzdem nicht. Bei seinem nächsten Treffen mit diesem Bewerber fiel Burger auf, woran es liegen könnte: „Er redete und redete. In den Interviews war es wohl ähnlich: Die Interviewer selbst kamen überhaupt nicht zu Wort.” Burger schlägt vor, folgende Regel zu beherzigen: Die Gesprächsteilnehmer seitens des Unternehmens sollten 50 Prozent der Zeit reden.


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