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Häufig kommt im Vorstellungsgespräch die Frage nach den Schwächen. Was sagt man als Bewerber jetzt am besten und was sollte man auf gar keinen Fall sagen? Wir haben einige Karriereexperten dazu befragt.

Das Vorstellungsgespräch ist eine wichtige Station im Bewerbungsprozess, denn es entscheidet häufig darüber, ob ein Kandidat ins Unternehmen passt und den Job bekommt. Bewerber wollen dann natürlich glänzen und sich von ihrer besten Seite präsentieren, um den potenziell neuen Arbeitgeber von sich zu überzeugen.

Häufig kommt dann aber die Frage nach den Schwächen – mal direkt und mal eher durch die Hintertür. Was sagt man als Bewerber jetzt am besten und was sollte man auf gar keinen Fall sagen? Wir haben die Profis aus dem Netzwerk Karriereexperten.com befragt.

Schwächen sind vielmehr Entwicklungsfelder

Viele Bewerber fühlen sich durch diese Frage bloßgestellt und wissen nicht so recht, wie sie reagieren sollen. Warum spricht der Arbeitgeber jetzt auf Schwachstellen an? „Der Arbeitgeber möchte damit herausfinden, ob der Bewerber sich selbst reflektiert und sich bewusst ist, was ihm liegt, was er gut kann und was weniger gut“, sagt Thomas Landwehr, Coach und Outplacementberater aus Hamburg. „Ich würde den Begriff ‚Schwäche’ auch umformulieren in ‚Entwicklungsfeld’. Dies macht auch gleich deutlich, dass man dieses Thema aktiv bearbeitet und nicht nur zur Kenntnis nimmt.”

Was gar nicht geht: Geschönte Schwächen und brutale Ehrlichkeit

Woher weiß ein Bewerber dann aber, wie er diese Entwicklungsfelder dem Arbeitgeber am besten vermittelt? Häufig lassen Bewerber sich dazu hinreißen, eine vermeintliche Stärke als Schwäche verkleidet zu präsentieren. „Erfahrungsgemäß erwarten viele der mir bekannten Personalentscheider weniger hingeschönte Schwächen im Stärke-Mäntelchen, sondern vielmehr konkrete Ansatzpunkte, die auf dem Weg zur Entscheidung weiter helfen“, sagt die Bewerberberaterin Carmen Dreyer.

„Von Standards wie etwa: ‚Ich bin zu ehrgeizig‘ oder ‚zu zielstrebig‘ rate ich ebenso ab wie davon, sich als unfehlbar darzustellen“, sagt auch der Karrierecoach und Unternehmensberater Wolfram Jeromin.

Auch zu viel Ehrlichkeit könnte dem Bewerber zum Verhängnis werden. „Wenn ein Bewerber sagt, er sei chronisch unpünktlich, ist das zumindest ehrlich, aber Ehrlichkeit währt hier nicht am längsten“, sagt die Berufsberaterin Christina Thiel. „Schwächen zu benennen, die sich unmittelbar auf die berufliche Leistung beziehen, gehen also gar nicht. Das weiß natürlich auch der Personaler.“

Mit der Antwort Leistungsbereitschaft zeigen

„Es geht bei den Schwächen um bestimmte fachliche Fähigkeiten für die angestrebte Position, die man ‚noch‘ nicht als Stärke vorweisen kann“, so Carmen Dreyer. „Die entsprechende Leistungsbereitschaft sich dieses Wissen anzueignen, gepaart mit Handlungsansätzen um diese zeitnah zu erwerben, sollte bei der Antwort klar zum Tragen kommen. Zumindest solange es um die fachliche Qualifikation geht, lässt sich das relativ leicht in die Tat umsetzen.“

Konkrete Situationen benennen

„Die ehrliche Antwort ist (fast) immer die Beste“, meint Thomas Landwehr. „Es empfiehlt sich auch immer konkrete Situationen im Kopf zu haben in denen sich diese Schwächen bemerkbar machen. Nicht gleich freiwillig aufzählen, aber auf Nachfrage parat haben. Zur Vorbereitung bietet sich die Reflektion auf Basis des Wertequadrates nach Schulz von Thun an.“

Keine für die Position relevanten Schwächen

„Die Frage nach den Schwächen ist abhängig von der jeweiligen Position und es gibt keine allgmeinegültige Standardantwort“, sagt Wolfram Jeromin. „Sie zielt aber auf jeden Fall auf die Qualifikation des Bewerbers für die vakante Position ab. Daher sollten hier keine für die Position ‚relevanten‘ Schwächen benannt werden aber dennoch eine für den Interviewer befriedigende Antwort erfolgen.“

Schwäche aus Eigeninitiative benennen

„Ich biete zwei Alternativen an: Entweder man benennt Schwächen, die mit der beruflichen Leistung nichts zu tun haben, zum Beispiel: ‚Meine Kochkünste lassen zu wünschen übrig‘. Dann sollte man natürlich nicht unbedingt als Koch arbeiten wollen“, sagt Christina Thiel. „Eine andere Möglichkeit: Benennen Sie eine Schwäche aus Eigeninitiative. Sie nehmen dem Zuhörer den Wind aus den Segeln und sind offen und selbstbewusst, zum Beispiel: ‚Mein Wunsch ist es, unbedingt in Ihrem Unternehmen arbeiten zu wollen. Dennoch bin ich mir bewusst, dass mein non-verbales Verhalten dies vielleicht nicht so transportiert, wie es dies sollte. Ich arbeite daran‘ “


Ein Beitrag von Stephanie Loleit

Bildquelle: © LuminaStock – iStockphoto.com