Um dem Wettbewerb gegenüber die Nase vorn zu haben, müssen Unternehmen von heute innovativ sein wie vielleicht noch nie. Doch das ist zugleich die große Herausforderung, denn woher mit den ganzen Ideen? Als Innovationsmethode und Managementstrategie kann Design Thinking den entscheidenden Vorteil bringen.

Unternehmen haben es mit schwer zu fassenden Problemen zu tun, wie zum Beispiel immer schnellere Innovationszyklen, anspruchsvolle Kunden in gesättigten Märkten und ambitionierte Wettbewerbern. In ihrem Buch „Durch die Decke denken“ erklären die Autoren Jürgen Erbeldinger und Thomas Ramge, wie Entscheider mit der Methode Design Thinking Lösungen finden, die das eigene Unternehmen wettbewerbsfähiger machen und dabei dem Nutzer nützen. Sie fassen es so zusammen: Design Thinking auf einer Postkarte erklärt ist erfinderisches Denken mit radikaler Kunden- bzw. Nutzerorientierung.

Die Autoren stellen gleich klar, dass Design Thinking für sie keine allumfassende Heilslehre ist. Dennoch sind sie davon überzeugt, dass man durch diese Methode mit höherer Wahrscheinlichkeit nutzerorientierte Lösungen für Probleme hervorbringt, an denen die gängigen Innovations- und Managementstrategien bis dato scheitern.

Kollektive Kreativität

Führungskräfte, die Design Thinking verinnerlichen, entwickeln für sich ein völlig neues Rollenverständnis. Sie akzeptieren, dass ihnen Vision, Strategie und Geschäftsmodell nicht unvermittelt in den Schoß fallen und wissen, dass sie für Lösungsfindungen die kollektive Kreativität anzapfen müssen. Ein Design Thinker an der Spitze von Unternehmen oder Abteilungen kann Umgebungen schaffen, in denen Ideen entstehen. Er stößt dann einen Design-Thinking-Prozess an, in den verschiedene Ausgangsideen eingebracht werden. In diesen Prozess sind viele Kreative gemeinsam eingebunden: interdisziplinäre Teams, interkulturelle Mitarbeiter, Kunden, die jeweilige Zielgruppe oder vielleicht sogar alle online erreichbaren thematisch Interessierten.

Das Management ins 21. Jahrhundert holen

Management beschreibt die Fähigkeit, andere Menschen in einem Wertschöpfungsprozess zu organisieren und anzuleiten und ist damit die wichtigste Erfindung der Wirtschaftsgeschichte. Allerdings sind die gängigen Management- und Führungsmethoden alle älter als 70 Jahre und es zeigt sich, dass diese Methoden nicht mehr in eine Welt passen mit immer komplexer werdenden Problemstellungen. Design Thinking holt das Management ins 21. Jahrhundert und bringt Unternehmen auf verschiedenen Ebenen weiter:

  • Verbesserungspotenziale werden besser erkannt und können erschlossen werden.
  • klassische Innovationsprozesse werden beschleunigt (z.B. innovative Produktentwicklung).
  • Unternehmensstrategien und Geschäftsmodelle können neu erfunden oder verändert werden.
  • Das Selbstverständnis von Management wird auf eine neue Stufe gehoben.

Don’t talk. Do!

Eine wichtige Design-Thinking-Regel lautet: Don’t talk. Do! Denn Design Thinking ist eigentlich Design Doing und daher liegt in „Durch die Decke denken“ der Schwerpunkt auch auf der Praxis. Die Autoren wollen verdeutlichen, was Entscheidungsträger in Unternehmen mit Design Thinking wie, mit welchem Aufwand und in welchem Rahmen erreichen können. Sie zeigen auf, wie Design Thinking im Unternehmensalltag zum Zuge kommen kann, angefangen vom Meeting bis hin zur Verankerung von Design Thinking in der Unternehmenskultur.

In Europa steht die Design-Thinking-Entwicklung noch am Anfang. Wer aber als Unternehmen mit den genannten Problemen zu kämpfen hat, sollte die Methode für sich einmal ausprobieren und findet dafür in diesem Buch eine gut durchdachte Gebrauchsanweisung in innovativer Form, illustriert von Erik Spiekermann.


Durch die Decke denken – Design Thinking in der Praxis von Jürgen Erbeldinger und Thomas Ramge, Redline Verlag, 24,99 €, ISBN 978-3-86881-479-8


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