Wer nach einer längeren Jobsuche endlich ein Jobangebot bekommt, greift natürlich zu. Stellt sich dieser Job dann aber als Flop heraus, sind viele ratlos: Die Zeit aussitzen oder direkt wieder gehen? Ein paar Denkanstöße gibt es hier von der Karriereberaterin Bettina Sturm.

Endlich haben Sie wieder einen Job. Der war zwar nicht ihre erste Wahl, aber Hauptsache es kommt wieder Geld rein. Doch schon nach kurzer Zeit merken Sie, dass Sie den Job nicht ausstehen können und der Gang zur Arbeit fällt Ihnen von Tag zu Tag schwerer. Gerade Berufsanfänger kommen schnell in eine Situation wie diese und fühlen sich dann machtlos.

„Was man nun macht, ist natürlich individuell unterschiedlich und stark abhängig von den eigenen Werten und Ängsten und davon, wie groß die emotionale Unterstützung durch Lebenspartner oder Familie und Freunde ist”, sagt die Karriereberaterin Bettina Sturm. „Dieser Mix zeigt sich dann in den Glaubenssätzen und Handlungsmustern der Menschen.”

Wirklich nur eine Übergangslösung?

Dass dies aber längst nicht nur ein Problem unter Berufsanfängern ist, verdeutlicht Bettina Sturm mit einem Beispiel aus ihrer Karriereberatung. Eine 35jährige promovierte Juristin hatte nach einem gemeinsamen Umzug mit ihrem Lebenspartner in eine neue Stadt den erstbesten Job in einer Unternehmensberatung angenommen.

„Sie wollte auf keinen Fall arbeitslos werden und vertrat den Glaubenssatz ‚Was sollen meine Eltern denken, wenn ich keine Arbeit habe'”, erklärt Bettina Sturm. „Zudem sagte sie sich immer wieder, dass dieser Job nur eine Übergangslösung ist. Tatsächlich gefiel ihr der Job aber gar nicht und sie bekam schnell Stress mit ihrem Chef.”

Die ersten 100 Tage zur Beurteilung nutzen

Auch wenn sich zu Beginn einer neuen Berufstätigkeit negative Dinge häufen, sollte man dennoch etwas Geduld beweisen. Gerade Berufsanfänger können sich sicher sein: „Phasen von Enttäuschung und Frust macht fast jeder Neueinsteiger durch. Diese Erfahrungen sind ganz typisch für einen Neuanfang”, meint Bettina Sturm.

Um wirklich beurteilen zu können, ob Sie in dem neuen Job nicht glücklich werden, sollten Sie sich etwas Zeit geben. „In der Probezeit oder den ersten 100 Tagen bekommt man einen guten Einblick über Unternehmenskultur, Aufgabengebiet, Kollegen, Vorgesetzte und Beziehungsgeflechte im Unternehmen. Jetzt geht es darum herauszufinden, ob Sie mit Ihren Werten und Kompetenzen in das Umfeld, die Position und die damit verbundenen Aufgaben passen”, so die Karriereberaterin.

Analysieren Sie Ihre Situation

Um die Ursachen der Unzufriedenheit aufzudecken und sich neue Ziele zu stecken, empfiehlt Bettina Sturm eine Situationsanalyse, am besten mit einem Außenstehenden, zum Beispiel einem Coach. So können Sie sich über Ihr nächstes berufliches Ziel klar werden und sich verschiedene Zwischenziele setzen. Machen Sie das nicht, stolpern sie möglicherweise direkt in den nächsten unpassenden Job.

Die eingangs erwähnte Juristin begann kurz nach der Probezeit ihre berufliche Neuorientierung. Zusammen mit der Karriereberaterin wurde ihr klar, dass sie sich schlussendlich im Lifestyle-Bereich selbstständig machen möchte. „Ihr Zwischenziel ist jetzt eine Position im Mittelstand, möglichst in einem Familienunternehmen, Erfahrungen in Strategie und Pragmatismus sammeln, Stärken einsetzen. Sie macht auch eine Weiterbildung im Bereich ‚Entrepreneurship und Innovation’. Nebenbei will sie Kontakte zu Gründungsinitiativen und möglichen Mentoren knüpfen”, erzählt Bettina Sturm.

Die eigene Zufriedenheit nicht nur vom Job abhängig machen

Mit einem großen Ziel und mehreren Zwischenzielen vor Augen können Sie auch mehr Geduld und Motivation im aktuellen Job aufbringen. Auch ohne zu kündigen, können Sie Ihre aktuelle Situation verändern. „Suchen Sie Sich andere Ziele oder Arbeitsanreize im Unternehmen, wie etwa einen Tag pro Woche im Home-Office arbeiten”, meint Bettina Sturm.

Hilfreich ist es auch, sich und seinen Erfolg nicht nur von der Jobzufriedenheit abhängig zu machen. „Holen Sie sich Ihre Grundzufriedenheit und mehr Selbstbewusstsein in ganz anderen Projekten, vielleicht etwas, das Sie schon immer machen wollten, wie den New York Marathon laufen”, so die Beraterin.

Sachlich die Wechselmotivation argumentieren

Wenn Ihnen nach der Probezeit klar ist, dass Sie sich beruflich neu orientieren wollen und Sie auf andere Unternehmen zugehen, werden Arbeitgeber Sie sicher auf die Motivation für den schnellen Jobwechsel ansprechen. „Argumentieren Sie jetzt sachlich und neutral”, empfiehlt Bettina Sturm.

„Die Probezeit ist eine Probezeit für beide Seiten, auch für den Arbeitnehmer. Machen Sie klar, dass Sie jemand sind, der die Dinge anpackt und handelt anstatt sie auszusitzen”, sagt sie und fügt noch hinzu: „Um im Vorstellungsgespräch den möglichen Einwand von mangelndem Durchhaltevermögen zu entkräften, sollten Sie Ihre Gründe so konkret wie möglich benennen.”


Ein Beitrag von Stephanie Thun

Bettina Sturm ist Spezialistin für berufliche Neuorientierung und hilft Fach- und Führungskräften, ihr neues Berufsziel zu realisieren. Mehr Informationen zu ihrem Angebot unter http://www.deincopilot.de/

Bild: © contrastwerkstatt – Fotolia.com