Kaum ein anderes Berufsbild ist so vielseitig, so komplex und so stark gefragt wie das des Informatikers. Rund 41.000 IT-Spezialisten werden derzeit in Deutschland gesucht. Absolventen haben nicht nur blendende Berufschancen, sie können sich auch über attraktive Gehälter und eine Vielzahl an Einsatzgebieten freuen.

Informatiker sind blasse Brillenträger mit sonderbarem Humor und defizitärer Sozialkompetenz, die für gewöhnlich in großen, fensterlosen Computerfirmen endlose Stakkatos auf ihre Tastaturen hauen? Mitnichten! Das Bild vom weltfremden Nerd auf der Serverfarm ist längst verblasst. Kaum ein anderes Berufsbild ist so abwechslungsreich, so anspruchsvoll und vor allem so gefragt wie das des IT-Spezialisten. Egal ob Industrie, Handel oder Dienstleistungssektor – ohne intelligente Software und eine komplexe IT-Infrastruktur kommt heutzutage kaum ein Unternehmen aus. Big Data und Cloud Computing – zunehmende Technisierung und das Streben nach Automatisierung und Prozessoptimierung haben der IT einen Stellenwert eingeräumt, der kaum zu überbieten ist.

DEN Informatiker gibt es nicht

Deshalb stehen Informatikstudenten zu Beginn ihrer Karrieren auch sämtliche Branchen offen. Neben klassischen IT-Firmen wie SAP oder Accenture gibt es für sie ebenso spannende Einsatzgebiete in der Luft- und Raumfahrt, im Finanzwesen, in der Medizintechnik, bei Militär und Geheimdienst, in der Tourismusbranche oder Energiewirtschaft. “Den” Informatiker gibt es daher nicht. Fachliche Anforderungen richten sich nach Spezialisierung und Einsatzgebiet. So ist etwa das Berufsbild bei Wirtschaftsinformatikern ganz anders als bei Bioinformatikern oder Medieninformatikern. Unabhängig von ihrer jeweiligen Spezialisierung gehört zu den Aufgaben aller Informatiker aber immer die Entwicklung und Wartung von Soft- und Hardware. Im Bereich der Entwicklung von Software reichen die Aufgaben von der Konzeption bis zur Umsetzung von Computer-Programmen.

Ein Großteil der Absolventen geht zum Beispiel in die Industrie. Vor allem Automobilhersteller und Zulieferer locken hier mit interessanten Jobangeboten, schließlich fährt heute kein Auto mehr ohne aufwändiges Software-Paket: Moderne Sicherheitssysteme, aktive Fahrassistenten wie Abstandsregler oder Einparkhilfen, Navigationssystem und LC-Display – die technologischen Ansprüche an ein Kfz steigen kontinuierlich. Informatiker in der Automobilbranche entwickeln jedoch nicht nur die innovativen Systeme für die zunehmend vernetzten Fahrzeuge. Auch innerbetriebliche Abläufe und die effiziente Planung von Fertigungsprozessen werden durch die IT-Abteilungen optimiert. Darüber hinaus stellen Themen wie Sicherheit, Energieeffizienz und Elektromobilität die Spezialisten vor neue, spannende Herausforderungen.

Auf verschiedenen Wegen zum Abschluss

Über Angebotsvielfalt können sich Informatiker in Deutschland nicht nur in Bezug auf mögliche Einsatzgebiete freuen, sondern bereits bei der Wahl der Ausbildung. Studienangebote gibt es zum einen an Universitäten, technischen Universitäten, Gesamthochschulen, Fachhochschulen und als Teil der dualen Ausbildung an Berufsakademien. Außerdem kann das akademische Informatik-Studium auch als Fernstudium belegt werden, dessen Abschluss dem an einer regulären Hochschule gleichsteht. Bereits während des Studiums können angehende Informatiker eine Spezialisierung wählen, zum Beispiel durch ein Zusatzstudium mit eigener Prüfung – etwa in Wirtschaftsinformatik, Medieninformatik, Bioinformatik oder Medizininformatik.

Gefragte Spezialisten

Wer das fordernde Informatik-Studium gemeistert hat, muss sich über eine langwierige Stellensuche wohl kaum Gedanken machen. Laut Branchenverband BITKOM sind in den letzten vier Jahren 120.000 neue Arbeitsplätze entstanden – Tendenz steigend. Die Experten prognostizieren auch für dieses Jahr einen steigenden Umsatz mit Software, IT-Dienstleistungen und IT-Hardware voraussichtlich um 2,4 Prozent auf 79,7 Milliarden Euro. Dafür werden Spezialisten gesucht – in Deutschland derzeit rund 41.000, quer durch alle Wirtschaftszweige. Damit ist die Zahl der offenen Stellen im Vergleich zum Vorjahr um rund 5 Prozent gestiegen. 16.500 unbesetzte Stellen finden sich bei Unternehmen der Informationstechnologie und Telekommunikation, in den so genannten Anwenderbranchen gibt es weitere 24.500 unbesetzte Stellen, so das Ergebnis einer Studie zum Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte, die der Hightech-Verband BITKOM kürzlich vorgestellt hat.

Attraktive Gehälter für Berufseinsteiger

Neben den sehr gute Berufsaussichten wartet auf angehende IT-Spezialisten auch ein attraktives Gehalt. Zwar sind aufgrund der vielen Spezialisierungsmöglichkeiten des Studiums kaum allgemeine Aussagen zum Einkommen zu treffen, die Einstiegsgehälter liegen jedoch in fast allen Bereichen über dem Durchschnitts-Verdienst anderer Studienfächer. So können Universitätsabsolventen durchaus mit einem Einstiegsgehalt von etwa 40.000 bis 50.000 Euro jährlich rechnen. Absolventen eines FH-Studiums bekommen im Durchschnitt etwa 10 Prozent weniger.

 


Quellen: www.haufe.de, www.bitkom.de,

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