Ein Großteil der Deutschen möchte gerne regelmäßig von zuhause aus arbeiten. Aber nicht jeder Mitarbeiter und nicht jeder Job ist für das Homeoffice geeignet. Mit Hilfe unserer Checkliste ermitteln Sie Ihr Homeoffice-Potenzial. Vielleicht ist Ihre Anwesenheit im Büro ja zwingend notwendig. Oder es gibt ein IT-Problem, dass sich im Homeoffice nicht lösen lässt. Oder Ihnen fehlt schlichtweg die Disziplin für die Heimarbeit.

Deutscher Homeoffice-Anteil unter EU-Durchschnitt

Mittlerweile bietet fast jeder dritte Arbeitgeber in Deutschland seinen Mitarbeitern an, teilweise oder gänzlich von zuhause aus zu arbeiten. So eine aktuelle Bestandsaufnahme des Hightech-Branchenverbands Bitkom. Hat sich das Homeoffice-Modell etwa nach langer Überzeugungsarbeit endlich im deutschen Arbeitsalltag etabliert? Nun, wir wollen nicht gleich euphorisch werden! Mit elf Prozent liegt Deutschland beim Anteil der Heimarbeiter noch immer deutlich unter dem EU-Durchschnitt von etwa 17 Prozent. Das ergab eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Der Großteil der Deutschen würde gern regelmäßig im Homeoffice arbeiten, scheitert aber nach wie vor an den klassischen Bedenken seiner Chefs: Im Homeoffice seien Mitarbeiter nicht mehr persönlich erreichbar und vor allem nicht kontrollierbar. Es drohe der totale Produktivitätseinbruch. Natürlich gibt es ausreichend Studien, die genau das widerlegen, doch wirklich überzeugt sind viele Arbeitgeber noch nicht. Vor allem in kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie bei Banken, Versicherungen und im öffentlichen Dienst ist das Homeoffice-Modell auffallend wenig verbreitet.

Checkliste: Fit fürs Homeoffice

Falls Sie bei Ihrem Chef eine Lanze für flexibles Arbeiten brechen wollen, sollten Sie sich vorab mit dem Thema auseinandersetzen. Nicht jeder eignet sich zum Heimarbeiter. Clever ist es, beim Abwägen der Argumente auch die Sichtweise Ihres Vorgesetzen zu berücksichtigen, um so für seine Gegenargumente gewappnet zu sein. Mit unserer Checkliste finden Sie heraus, ob Sie und Ihre Arbeit fürs Homeoffice geeignet sind:

  • Ist Ihr Job Homeoffice-tauglich?

Überlegen Sie zunächst genau, welche Ihrer Aufgaben Sie problemlos von zuhause aus erledigen können. Lassen sich ganze Arbeitstage sinnvoll mit diesen Tätigkeiten füllen oder gibt es in Ihrem Joballtag regelmäßig Situationen, in denen Ihre Anwesenheit zwingend notwendig ist? Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Ihr Arbeitsplatz auch Anlaufstelle für Kunden oder Lieferanten ist. Denen ist nur schwer zu vermitteln, dass Sie donnerstags und freitags nicht mehr im Büro anzutreffen sind. Wenn an diesen Tagen aber ein Kollege die Rolle des Ansprechpartners übernimmt und Kunden auch weiterhin ohne Kompromisse betreut werden können, spricht nichts gegen das Home-Office.

  • Professionelle Infrastruktur im Homeoffice?

Wenn Ihr PC zuhause 10 Minuten braucht, um eine E-Mail zu öffnen, Mitarbeiter und Kunden ständig auf dem Familien-AB landen („Hallo lieber Anrufer, die Finks sind gerade alle ausgeflogen…“) und man Ihnen ständig Unterlagen und Dokumente schicken muss, weil Sie keinen Zugriff auf den Firmenserver haben, wird das Homeoffice schnell zur Belastungsprobe. Nur mit einer einwandfrei funktionierenden IT ist ein effizientestes Heimarbeiten möglich. Dazu sollte Ihr Homeoffice mit zum Unternehmen kompatibler IT-Umgebung ausgestattet sein. Eine gute Erreichbarkeit über Skype ist von Vorteil, denn so können die Kollegen Sie ohne Probleme in Meetings einbinden oder wichtige Gespräche von Angesicht zu Angesicht führen.

  • Sind die räumlichen Voraussetzungen erfüllt?

Ein Küchentisch ist kein Homeoffice. Die Couch ebenso wenig und das Bett erst recht nicht. Wenn Sie zuhause genauso produktiv arbeiten wollen, wie im Büro, brauchen Sie einen separaten Arbeitsplatz – möglichst mit einer Tür, die sich schließen lässt, wenn die Familie in den übrigen Räumen lärmt. Vertrauliche Unterlagen müssen nach der Arbeit weggeschlossen werden können. Schreibtisch, Monitor, Bürostuhl – Ihr Homeoffice muss so eingerichtet sein, dass Sie gerne darin arbeiten, ohne am Abend mit Rückenschmerzen ins Bett zu fallen.

  • Bringen Sie die nötige Disziplin mit?

Wer im Homeoffice arbeiten möchte, braucht vor allem eines: Disziplin. Denn in den eigenen vier Wänden lauern erfahrungsgemäß viel mehr Ablenkungen, als man sich vielleicht eingestehen möchte. Setzen Sie sich deshalb auch zuhause feste Büro- und Pausenzeiten und halten sie diese ein, sonst merken Kollegen und Vorgesetzte schnell, dass die Vertriebspräsentation zur Never-Ending-Story gerät und die Mittagspausen zeitlich die Jahreshauptversammlung toppen. Dann wird man Ihnen schnell unterstellen, den Begriff „Home-Office“ als Synonym für „heimlich Urlaub“ zu missbrauchen.

  • Können Sie allein sein?

Einer der größten Nachteile am Homeoffice ist das Alleinsein. Die Vorstellung mag verlockend sein, wenn wieder ein Drittel der Mitarbeiter im Großraumbüro großzügig Grippeviren verteilt, der Kollege gegenüber sich zum Mittag einen Döner „Mit-Allem-und-scharf“ einverleibt und vierzig Telefone Beethovens Fünfte in Dauerschleife aufführen. Aber das Alleinsein muss man aushalten können, vor allem, wenn Sie mehr Zeit im Homeoffice als mit Ihren Kollegen verbringen. Wer in seiner Arbeit kreativ gefordert ist oder Lösungen für komplexe Probleme finden muss, profitiert in der Regel vom Austausch mit anderen. Deshalb und auch im Sinne der Beziehungspflege sollten Sie auch bei einer vollständigen Homeoffice-Regelung regelmäßige Bürotage einplanen.

 


Bildquelle: © ESB Professional – shutterstock.com