Nach dem Vorstellungsgespräch werden Sie gebeten, einige Tage zur Probe zu arbeiten. Will der neue Chef Sie nur ausnutzen? Keine Sorge: Probearbeiten ist mittlerweile in fast allen Branchen üblich und bringt auch dem Bewerber wertvolle Erkenntnisse. Auf diese Dinge sollten Sie jedoch achten…

Wenn Bewerber die Möglichkeit haben, einen oder wenige Tage beim potenziellen Arbeitgeber zu „schnuppern“, ist damit ein sogenanntes Einfühlungsarbeitsverhältnis gemeint. Es soll beiden Seiten die Möglichkeit geben, sich besser kennenzulernen. So finden Sie heraus, ob Sie sich in der Firma wohlfühlen und der Arbeitgeber kann beurteilen, ob Sie gut ins Team passen. Während der Schnuppertage unterstehen Sie nicht dem Direktionsrecht des Arbeitgebers und müssen auch keine Arbeitsleistungen erbringen oder sich an konkrete Arbeitszeiten halten. Vielmehr sollen Sie Einblick in betriebliche Abläufe bekommen und den künftigen Kollegen über die Schulter schauen. Dass Sie nicht arbeiten müssen, heißt aber nicht, dass Sie es nicht dürfen. Wenn Sie die Möglichkeit haben, können Sie sich gern einbringen, um die anderen von Ihren Fähigkeiten zu überzeugen.

Muss mich der Arbeitgeber für die Probearbeit bezahlen?

Darüber wurde in den letzten Jahren viel diskutiert, denn nicht wenige Unternehmen standen in dem Ruf, Dauerpraktikanten und Probearbeiter als kostengünstige Arbeitskräfte auszunutzen. Grundsätzlich muss Arbeitsleistung entlohnt werden. Allerdings werden Probetage im Unternehmen, die lediglich als Einfühlungsarbeitsverhältnis zu verstehen sind und somit keine Arbeitsleistung voraussetzen, in der Regel nicht vergütet. Es sei denn, beide Seiten haben im Vorfeld eine andere Vereinbarung getroffen. Soll die Probearbeit aber mehrere Wochen oder gar Monate andauern und der Bewerber in dieser Zeit aktiv im Unternehmen mitarbeiten, empfiehlt es sich, ein befristetes Probearbeitsverhältnis mit entsprechender Vergütung zu vereinbaren. Diese Form der Probearbeit ist übrigens nicht zu verwechseln mit der sogenannten Probezeit, die nach Ablauf automatisch in ein normales Arbeitsverhältnis übergeht.

Woran erkenne ich, ob der Arbeitgeber mich ausnutzen will?

Wenn der Arbeitgeber Sie zum Probearbeiten einbestellt, noch bevor überhaupt ein Vorstellungsgespräch stattgefunden hat, ist Vorsicht geboten. Ebenso, wenn er Ihnen eine vierwöchige Probearbeitszeit als branchenübliches unbezahltes Praktikum verkaufen will. Seriöse Unternehmen werden Ihnen die Möglichkeit geben, einige Tage bis maximal eine Woche ins Unternehmen zu „schnuppern“, ohne konkrete Aufgaben übernehmen oder Leistungen erbringen zu müssen. Oder die Firma bietet Ihnen einen befristeten Probearbeitsvertrag mit angemessener Vergütung an. Sollten Sie bei der Arbeitsagentur als arbeitssuchend registriert sein, empfiehlt es sich in jedem Fall, die Probearbeit zu melden. Dann besteht nämlich die Möglichkeit, zusätzliche Kosten, zum Beispiel für Fahrten, Unterkunft oder auch Kinderbetreuung erstattet bekommen. Außerdem kann Sie das vor Jobvorgauklern schützen. In einer zentralen Betriebsdatenbank wird nämlich festgehalten, welche Firmen in der Vergangenheit vermehrt zu Probearbeitszeiten aufforderten, ohne die Bewerber danach einzustellen.

Darf ich zur Probe arbeiten, auch wenn ich noch in einer anderen Firma angestellt bin?

Ihr Arbeitgeber wird kaum begeistert sein, wenn Sie Ihr Wissen und Ihre Energie parallel einem anderen Unternehmen zur Verfügung stellen. Wenn dies zudem während Ihrer regulären Arbeitszeit oder gar bei einem Konkurrenzunternehmen geschieht, kann es Ihre fristlose Kündigung zur Folge haben. Auch Urlaubstage für die Probearbeit bei einem neuen Unternehmen zu nutzen, ist nicht ratsam, denn Ihr aktueller Arbeitgeber zahlt schließlich für Ihre Erholung.

Wie kann ich Kollegen und Vorgesetzte am Probetag von mir überzeugen?

Es versteht sich von selbst, dass Sie pünktlich, ausgeschlafen und fit zum Probearbeiten erscheinen. Zeigen Sie Interesse und Engagement. Wer nur den stillen Beobachter mimt und ansonsten den Mund nicht aufbekommt, wird die anderen nicht von sich überzeugen. Aber Vorsicht: Überfahren Sie die Belegschaft nicht mit Ihrem Arbeitseifer, schließlich sollen Sie einen Eindruck von bestehenden Arbeitsabläufen bekommen und diese nicht innerhalb eines Tages komplett umkrempeln. Hören Sie genau zu, wenn Ihnen etwas erklärt wird und fragen Sie nach, wenn etwas unklar ist. Schließen Sie sich den Kollegen an, wenn diese Sie in die Mittagspause einladen. Zeigen Sie sich kommunikativ, aber eher indem Sie nachfragen als selbst ins Plaudern zu geraten.

Wie bereite ich mich optimal vor?

Setzen Sie sich nicht unter Druck. Ein Probetag ist kein Assessment-Center. Natürlich sollten Sie über das Unternehmen, seine Struktur, Produkte und Dienstleistungen gut informiert sein. Aber das haben Sie sicherlich schon zur Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch gemacht. Überlegen Sie, welche Fragen in Bezug auf Ihren Arbeitsplatz noch offen sind und wer Ihnen diese am besten beantworten kann. Was wollen Sie anziehen? Im Idealfall konnten Sie sich schon beim Vorstellungsgespräch einen ersten Eindruck vom Dresscode im Unternehmen verschaffen. Frühstücken Sie in Ruhe zu Hause, nicht in der Firma. Ansonsten: Seien Sie ganz Sie selbst und freuen Sie sich auf den Tag.

Darf ich auch als Bewerber den Wunsch nach einem Probearbeitstag äußern?

Natürlich. Probearbeitstage sind mittlerweile in fast allen Branchen üblich. Schließlich profitieren Arbeitgeber und Bewerber von der Möglichkeit, dem jeweils anderen ein bisschen auf den Zahn zu fühlen. Sie können bereits am Ende des Bewerbungsschreibens darauf hinweisen, dass Sie gern für einen Probetag zur Verfügung stehen. Alternativ bietet sich das Vorstellungsgespräch an, um zu erfragen, ob auch der Arbeitgeber an einer Probearbeitszeit interessiert ist. Wenn ja, gilt es, die Rahmenbedingungen festzulegen. Sind ein oder zwei Probetage ausreichend, um ein Gefühl für das Arbeitsumfeld zu bekommen oder will der Arbeitgeber Ihre Eignung über einen längeren Zeitraum erproben? In diesem Fall sollten Sie auch über die Vergütung sprechen.

 


Quelle: www.betriebsrat.de

Bildquelle: © Indypendenz – Shutterstock.com