Von ihnen geht derzeit die größte Gefahr für strebsame Arbeitnehmer aus. Nein, gemeint sind nicht gefährliche Baumaschinen oder die Virenbelastung im Großraumbüro. Facebook, Twitter, E-Mail, YouTube und die vielen bunten Apps stellen Mitarbeiter im Job-Alltag auf eine harte Probe. Nur den Wenigsten gelingt es, sich angesichts der verlockenden Produktivitätskiller zu bewähren…

Die Lage ist ernst, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Digitale Ablenkung entwickelt sich zur größten Bedrohung produktiver Arbeitnehmer. Auf 12.000 Euro beziffern Experten den jährlichen Produktivitätsverlust durch permanente digitale Störungen – pro Büroarbeitsplatz! Die Höhe der globalen wirtschaftlichen Verluste treibt Unternehmen und Volkswirtschaftlern Tränen in die Augen: jährlich etwa 500 Milliarden Euro errechnete der Verband der deutschen Internetwirtschaft eco. Weltweite Vernetzung ist ein teurer Spaß.

Gehetzt durch den Arbeitstag

Für den rechtschaffenen Arbeitnehmer besteht indes Gefahr für Leib und Seele. Befinden sich ein störungsfreier Internetzugang und mobile Kommunikationsgeräte in Reichweite hat er schon verloren – und zwar nicht nur wertvolle Arbeitszeit. Etwa alle drei Minuten wird er aus seiner aktuellen Tätigkeit gerissen, sei es durch eine E-Mail, eine Messenger-Nachricht, eine Facebook-Benachrichtigung oder schnödes Telefonklingeln. Pling, Pling, Klingeling. Wie soll man da bitte konzentriert und effektiv sein Tagewerk verrichten? Nach jeder Unterbrechung muss sich der Mitarbeiter erst wieder in die vorherige Aufgabe einarbeiten. Das kostet Zeit und Nerven. Für eine Arbeit, die ohne Ablenkung in einer Stunde zu erledigen gewesen wäre, braucht man schnell doppelt so lang. Betroffene Mitarbeiter fühlen sich gehetzt; gefangen im digitalen Kommunikationszirkus; die Zeit rennt ihnen davon – und schon wieder „Pling“.

Verspielte Arbeitszeit kann rechtliche Folgen haben

Und dann sind da noch die scheinbar harmlosen, bunten Apps auf Smartphone, Tablet und Desktop. Ständige Verlockungen, die den Arbeitswillen immer wieder aufs Neue brechen. „Quizduell – HirnHero07 hat gespielt. Du bist an der Reihe“ – geht ja ganz schnell. Bei der Gelegenheit werden dann gleich noch acht neue Spieler herausgefordert, bei Clash of Clans die Verteidigungsanlagen gecheckt und bei VIP.de über die peinlichsten Outfits beim letzten Filmball gelästert. Noch ein schneller Blick auf Facebook, Twitter oder Instagram, ach ja und das lustige Flachwitz-Video bei YouTube… und zack, schon sind 45 Minuten Arbeitszeit unproduktiv in Internet versandet. Das kommt auf Dauer nicht nur den Arbeitgeber teuer zu stehen, sondern kann auch rechtliche Konsequenzen für den willensschwachen Mitarbeiter haben. Denn selbst wenn die private Nutzung des Internets während der Arbeitszeit nicht ausdrücklich verboten ist, darf sie doch keine negative Auswirkung auf die Produktivität des Arbeitnehmers haben, sonst droht unter Umständen die Abmahnung.

Digitale Problemlöser

Nur die Wenigsten besitzen die eiserne Entschlossenheit, den omnipräsenten digitalen Versuchungen zu widerstehen. Für alle anderen gibt es – natürlich digitale – Versionen des inneren Schweinehundes. Unbeugsame Programme wie Freedom oder Selfcontrol sperren auf Wunschzeit den kompletten Zugriff auf das weltweite Netz der Ablenkung oder nur auf ausgewählte Seiten. Die App Obtract hingegen nimmt es mit Humor und platziert auf Browser-Fenster, die von der Arbeit abhalten, ein lustiges Labyrinth, das durchgespielt werden muss, bevor man auf die eigentliche Internetseite kommt. Je mehr „Ablenkungsseiten“, desto komplizierter das Labyrinth. Letztendlich ist die eigene Willensstärke jedoch das probateste Mittel, um der digitalen Ablenkung Herr zur werden.

Auf die eigene Willensstärke kommt es an

„Auch wenn es sich altmodisch anhört: Das Problem der digitalen Ablenkung bekämpft der Einzelne nur mit seine eigenen Willenskraft und dem Entschluss, mal phasenweise ganz bewusst auf Facebook, Twitter und Co. zu verzichten“, bestätigt auch Michel Zondler, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens centomo. „Viele merken nach so einem Experiment: Es macht frei – zuerst den Kopf, dann den Schreibtisch.” Bestimmte Seiten für die Mitarbeiter sperren zu lassen und den privaten Mailverkehr komplett zu verbieten, sieht er nicht unbedingt als erfolgversprechenden Weg. „Zwang sollte das letzte Mittel sein. Aber warum sollte man sich betriebsintern nicht darauf einigen, dass jedem Mitarbeiter ein paar Stunden in der Woche als Denk- und Auszeiten zustehen? Ein paar Stunden als Rückzugsgebiet für konzentriertes Arbeiten, dessen Ertrag natürlich verifizierbar sein muss. Wenn jemand regelmäßig ein paar Stunden Zeit für sich und seine Arbeit hat, nicht ans Telefon gehen, keine Mails beantworten und auch nicht bei Meetings erscheinen muss, kann dies neue Kräfte frei setzen.“


Quellen: www.centomo.de; http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/533934/Wie-schaffe-ich-es-mich-nicht-vom-Internet-ablenken-zu-lassen; www.gfm-nachrichten.de

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