First things first: Der Diabetes sollte niemanden davon abhalten, den Traumberuf zu ergreifen. Mit einer guten Stoffwechseleinstellung können Betroffene nahezu jeden Beruf ausüben – und auch für Arbeitgeber besteht kein Grund, Bewerber mit Diabetes auszuschließen. Es gibt allerdings gewisse Einschränkungen und Erfordernisse, über die sich beide Parteien im Klaren sein sollten.

Berufsalltag mit Diabetes

In Deutschland leben derzeit rund sechs Millionen Menschen mit Diabetes mellitus. Dabei handelt es sich bei ca. 90 % der Fälle um einen Diabetes aufgrund einer Insulinresistenz und die verbleibenden 10 % teilen sich zu ca. 5 % in die Autoimmunerkrankung Typ-1-Diabetes und Schwangerschaftsdiabetes und sonstige Diabetesformen auf. Bei einer Erstdiagnose ist ein Berufswechsel kaum notwendig. Die meisten Berufe können Diabetespatienten ohne Probleme ergreifen und ihren Tätigkeiten auch weiterhin wie gewohnt nachgehen. Ausnahmen bilden Fälle mit schweren Folgeerkrankungen und Krankheitsverläufen, schlechte Stoffwechseleinstellungen und vor allem Hypoglykämien.

Berufe, in denen man permanenten Belastungen und besonderen Arbeitszeiten ausgesetzt ist, können ein Sicherheitsrisiko darstellen, bei dem Menschen mit Diabetes infolge einer schweren Unterzuckerung sich und andere gefährden würden. Dieses besteht tendenziell bei Tätigkeiten mit einer hohen Verletzungsquote oder einer besonderen Verantwortungsposition: Solche Berufsfelder sind zum Beispiel Fluglotse, LKW-Fahrer oder Dienste an einer Waffe. Berufsanfänger oder -wechsler sprechen am besten vorab mit einem Diabetologen oder einem Arbeitsmediziner darüber, inwiefern Bedenken oder Auflagen bestehen. Bei der Frage, ob ein Diabetiker für einen Beruf geeignet ist oder nicht, handelt es sich oft um eine Risikoabwägung im Einzelfall, einige wenige Berufe können von Menschen mit Diabetes auch tatsächlich nicht ausgeübt werden.

Solange Sie gut eingestellt sind und einen Überblick über Ihre Mahlzeiten, Ihre Aktivitäten und Ihren Insulinbedarf haben, sind Sie genauso leistungsfähig wie Arbeitnehmer ohne Diabetes. Beim Einstellungsgespräch oder in der Bewerbung um eine Ausbildungsstelle oder einen Arbeitsplatz muss ein Diabetes nicht erwähnt werden. Auf persönliche Nachfragen zum Thema Krankheit darf die Wahrheit verschleiert oder eine Antwort komplett verweigert werden. Wenn ein Schwerbehindertenausweis vorhanden ist, darf dieser auf Nachfrage jedoch nicht geleugnet werden, d.h. hier besteht eine Ausnahmeregelung, welche bei schweren Behinderungen greift. Allerdings sind Unternehmen in Fällen von Schwerstbehinderung ab einer Größe von 20 Angestellten per Gesetz dazu verpflichtet, Menschen mit Behinderung einzustellen. Je nach Einschränkungsgrad und Berufsbild kann die Angabe somit auch Vorteile im Bewerbungsverfahren bringen. Berufe im öffentlichen Dienst sind für Bewerber mit Diabetes besonders gut geeignet, da Behörden und Ämter in einer besonderen Pflicht stehen, Menschen mit Einschränkungen einzustellen. Besteht die Notwendigkeit eines Arbeitsplatzwechsels aufgrund der gestellten Diagnose, kann auch eine intensive Umschulung oder ein interner Wechsel nach Absprache mit dem Vorgesetzten erfolgen.

Berufe, die für Menschen mit Diabetes weniger geeignet sind

Da die Neigung zur Unterzuckerung stets die Gefahr einer zumindest kurzfristigen Einschränkung der Leistungsfähigkeit birgt, gibt es gewisse Einschränkungen, über die man sich bei der Berufswahl im Klaren sein sollte. So sind Berufe, bei denen der Zustand eine Selbst- oder Fremdgefährdung auslösen kann, für Menschen mit Diabetes von der Gesetzeslage her ausgeschlossen:

  • Berufe mit Waffengebrauch (z.B. Polizist, Soldat)
  • Berufe mit Absturzgefahr (z.B. Dachdecker, Schornsteinfeger)
  • Personenbeförderung bzw. Transport von Gefahrengütern (z.B. Pilot, Busfahrer)
  • Berufe, die unter Überdruck, bei starker Hitze o. ä. ausgeübt werden
  • Berufe, bei denen medizinische Hilfe nicht schnell genug zur Hand ist

Potenziell problematisch sind auch Berufe

  • mit einem sehr unregelmäßigen Tagesablauf (z.B. Schichtdienst),
  • mit starker körperlicher und/oder seelischer Belastung (z.B. im Bauwesen oder im Managementbereich),
  • mit starkem Termindruck, da hier unter Umständen keine Zeit für die regelmäßige Blutzuckerkontrolle bleibt (Schichtarbeit z.B. ist eine Indikation für eine Insulinpumpe)

Wichtige Tipps für den Umgang mit Diabetes im Berufsalltag

Selbstbewusstsein ist alles

Das Gesetz verpflichtet erst dann Angaben über den Gesundheitszustand zu machen, wenn der Bewerber bei der Ausübung seiner Tätigkeit stark bis komplett beeinträchtigt ist. In solchen Fällen ist eine Bewerbung allerdings weniger sinnvoll. Ist dies nicht der Fall, bekommt jeder Bewerber die Chance, sich durch die persönlichen und fachlichen Kompetenzen zu beweisen. Selbstbewusstsein und positives Auftreten sind in einem Vorstellungsgespräch daher das A und O!

Die Opferrolle ablegen

Diabetes bedeutet nicht, dass bestimmte Türen von Anfang an verschlossen bleiben. Wenn man lernt, mit der Erkrankung umzugehen und die Diabetes-Therapie in das Leben zu integrieren, spricht nichts dagegen, nach den Sternen zu greifen.

Nach Alternativen suchen

Wenn Diabetes mitten im Berufsleben diagnostiziert wird und sich nicht gut mit den Arbeitsbedingungen vereinbaren lässt, muss nicht sofort über einen Berufswechsel oder gar Arbeitsunfähigkeit nachgedacht werden. Geeignete Alternativen und ein passendes Arbeitsumfeld können mit dem Arbeitgeber verhandelt werden!

 

Weiterführende Informationen und Tipps zum Thema Berufsalltag mit Diabetes auf https://www.mein-buntes-leben.de/beruf-und-gesellschaft.

 


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