10.11.2009 -

In der Arbeitswelt kann Mobbing zu ernstem emotionalem Stress, schlampiger Arbeit oder sogar zum Karriereknick führen. Trotz unzähliger Büroinitiativen, rechtlicher Bestimmungen und Gesetze findet Mobbing am Arbeitsplatz noch immer statt. Erfahren Sie hier, wie Sie sich davor schützen.

Nancy Shenker, Gründerin und Vorsitzende der US-amerikanischen auf Startup-Unternehmen spezialisierten Marketingfirma theONswitch, war selbst Mobbingopfer. Einer ihrer Vorgesetzten beschimpfte sie oft und gern in aller Öffentlichkeit .

“Schließlich habe ich mit ihm ein Gespräch unter vier Augen vereinbart. Ich habe ihm einfach gesagt, dass sein Verhalten meine Leistung bei der Arbeit beeinträchtigt und ich mich durch ihn entmutigt und bloßgestellt fühle”, berichtet Nancy Shenker. “Ich habe ihm sogar gesagt, wenn ich wirklich so inkompetent sei, wäre es wohl besser, die Personalabteilung hinzuzuziehen, um eine Abfindung auszuhandeln oder eine offizielle Beschwerde gegen mich einzureichen.”

Ihr Chef erwiderte, dass er nicht die Absicht habe, sie zu entlassen. Seit diesem Gespräch hat sich ihr Verhältnis gebessert.

Mobbing weit verbreitet

Angaben der Website des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zufolge erleben rund 1,5 Millionen Menschen in der Bundesrepublik jeden Tag Psychoterror am Arbeitsplatz. In den USA ist laut dem Workplace Bullying Institute ist Mobbing am Arbeitsplatz weiter verbreitet als sexuelle Belästigung oder Rassendiskriminierung.

Laut dem Workplace Bullying Institute sind überwiegend Frauen von Beschimpfungen, Beleidigungen oder Drohungen betroffen. Obwohl Frauen mit 80 Prozent die größte Zielgruppe bilden, geht Mobbing gleichzeitig in 58 Prozent der Fälle von Frauen aus. “Ob jemand das Opfer von Mobbing wird, ist von zwei Eigenschaften abhängig: dem Kooperationswillen und einem nicht-konfrontativen Umgangsstil”, so die Aussage auf der Website des Instituts.

Sich gegen Mobbing zu wehren, sei oft leichter als es scheint, behauptet Kerry Patterson, Mitautor der beiden Bestseller “Heikle Gespräche” und “Heilsame Konflikte”.

“Wenn Sie wissen, was Sie sagen möchten und die richtigen Worte finden, können Sie Ihre Meinung äußern und dennoch die Gefahr einer Revanche minimieren”, erklärt er. Patterson empfiehlt folgende Tipps für den Umgang mit Mobbing am Arbeitsplatz:

1. Bleiben Sie höflich. Wenn Sie abfällige Antworten geben, lassen Sie sich auf das Niveau des Mobbers herab und tragen möglicherweise dazu bei, dass die Situation eskaliert.

2. Unterstellen Sie keine bösen Absichten. Anstatt einem Kollegen böse Absichten zu unterstellen, sollten Sie zunächst davon ausgehen, dass er sich nicht bewusst ist, welche Wirkung sein Verhalten auf Sie hat. Wenn sich beispielsweise an der Kinokasse jemand vordrängelt, sagen Sie einfach: “Entschuldigen Sie bitte, haben Sie bemerkt, dass hier eine Schlange ist?” Wenn Sie voraussetzen, dass Ihr Gegenüber nicht in böser Absicht handelt, können Sie einen guten Anfang für ein Gespräch finden.

3. Trennen Sie die Absicht vom Ergebnis. Wenn ein Kollege Sie öffentlich beleidigt, sollten Sie sich folgende Frage stellen, bevor Sie auf dieselbe Weise antworten: “Warum sollte ein vernünftiger, anständiger Mensch so etwas sagen?” Gehen Sie dann auf Ihren Kollegen zu, und sagen Sie: “Ich bin sicher, Sie meinen das nicht so, aber ich fühle mich unwohl, wenn Sie mich ‘Schätzchen’ nennen.”

4. Beginnen Sie mit den Fakten. Wenn Sie sich längere Zeit durch das Verhalten einer Person angegriffen fühlen, sind Sie vielleicht der Überzeugung, diese Person habe es speziell auf Sie abgesehen. Aus diesem subjektiven Gefühl könnte ein unangenehmer Konflikt entstehen.

Bevor Sie den Mobber mit Ihren Empfindungen oder Schlussfolgerungen konfrontieren, rekapitulieren Sie zunächst die Fakten: “In unseren Teambesprechungen kritisieren Sie oft meine Ideen. Heute zum Beispiel haben Sie meinen Vorschlag als ‘Blödsinn’ bezeichnet.” Ziehen Sie dann Ihren Schluss aus diesen Fakten, und bitten Sie den Kollegen um seine Einschätzung der Situation.

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