Auch dieses Jahr fehlt zahlreichen Unternehmen der Nachwuchs, vor allem wegen mangelnder Ausbildungsreife der Schulabgänger. Mit viel Engagement und Kreativität versuchen die Betriebe ihre freien Lehrstellen zu besetzen.

Laut der Ausbildungsumfrage 2014 des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) gab es dieses Jahr 53.000 Schulabgänger weniger als 2013. „2025 werden wir nochmals 120.000 weniger Schulabgänger haben als noch 2014“, erklärte DIHK-Präsident Eric Schweitzer am 21. August in Berlin, wo er die Ergebnisse mit dem stellvertretenden DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks vorstellte. Gleichzeitig sei der Run auf die Hochschulen ungebrochen. „2013 haben rund 507.000 junge Menschen ein Studium begonnen, rund ein Drittel mehr als noch zehn Jahre zuvor“, so Schweitzer.

In Folge seien 2013 allein im IHK-Bereich 80.000 Lehrstellen unbesetzt geblieben. 29 Prozent der Unternehmen aus Industrie und Handel sei es nicht gelungen, ihre angebotenen Ausbildungsplätze zu besetzen, berichtete der DIHK-Präsident – “ein deutlicher Anstieg um 7 Prozentpunkte im Vorjahresvergleich”. Das Problem habe mittlerweile auch die bei den Bewerbern besonders beliebten größeren Betriebe erreicht.

Viele Schulabgänger nicht reif für eine Ausbildung

Der DIHK-Umfrage zufolge ist für die Unternehmen nach wie vor die mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgänger das Ausbildungshemmnis Nummer eins. Zwar gäben die Betriebe immer häufiger lernschwächeren Jugendlichen eine Chance, sagte Schweitzer, doch steige damit auch die Unzufriedenheit der Unternehmen über nicht ausreichende Mathematik- und Deutschkenntnisse wieder deutlich an.

Auch gehe die Schere zwischen betrieblicher Anforderung und sozialen Kompetenzen der Auszubildenden weiter auseinander, warnte er. Am häufigsten beklagten die Betriebe Mängel bei der Leistungsbereitschaft, der Belastbarkeit und der Disziplin.

Unternehmen lassen nichts unversucht

Doch die Unternehmen lassen sich nicht entmutigen. „Die Betriebe in Deutschland halten ihr Angebot an Ausbildungsplätzen weitgehend stabil“, sagte Achim Dercks in Berlin.

Dabei würden die Jugendlichen immer stärker umworben: Die Unternehmen böten kombinierte Aus- und Weiterbildungsangebote, Auslandsaufenthalte und Zusatzqualifikationen, manche Betriebe setzten auch auf materielle oder finanzielle Anreize.

Zudem verbesserten sie ihr Marketing. „Betriebe stellen sich auf die Digital Natives ein und versuchen, über das Internet neue Auszubildende zu gewinnen“, so Derck.: Die Berufsorientierung sei ebenfalls ein wichtiger Ansatzpunkt, um Jugendliche für eine duale Ausbildung zu begeistern; sodass mittlerweile 62 Prozent der Unternehmen, die unter rückläufigen Bewerberzahlen leiden, auf das Angebot von Praktika setzten.

Vorgeschmack auf Fachkräftemangel von morgen

DIHK-Präsident Schweitzer nannte die aktuelle Entwicklung einen „Vorgeschmack auf den kommenden Fachkräftemangel“: Die fehlenden Azubis von heute seien die fehlenden Fachkräfte von morgen – „und Fachkräftemangel wird in Zukunft immer öfter heißen, dass dual ausgebildete Fachkräfte fehlen“.

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