Einen neuen Job sicher in der Tasche zu haben, um dann erst beim aktuellen Arbeitgeber zu kündigen, ist für viele die Idealvorstellung. Aber auf Stellensuche zu gehen, während man parallel in Vollzeit arbeitet, ist gar nicht so leicht und birgt einige Stolpersteine. Lesen Sie hier, wie Sie Risiken vermeiden und der Jobwechsel geschmeidig gelingt.

Wenn Sie schon einmal ernsthaft auf Jobsuche waren, wissen Sie, dass das allein schon ein Full-Time-Job sein kann. Umso schwieriger wird es, wenn Sie zur selben Zeit angestellt sind und in Vollzeit arbeiten. Der Aufwand schreckt viele ab. Deshalb bleiben sie in ihrem alten Job stecken, auch wenn Sie schon seit langem unglücklich damit sind. Aber mit den folgenden sechs einfachen Tipps, weichen Sie den häufigsten Fallstricken geschickt aus und finden einen neuen Job, ohne dabei Ihre Kollegen zu verärgern.

1. Prioritäten setzen

Zeit ist eine wertvolle Ressource bei der Stellensuche, vor allem wenn man parallel einen Job zu erledigen hat. Die Zeit so effektiv wie möglich zu nutzen, ist daher eine wichtige Voraussetzung, um die Jobsuche zu bewältigen, ohne dass Ihre Produktivität am Arbeitsplatz darunter leidet. “Machen Sie sich bewusst, dass Ihre Zeit begrenzt ist und Sie – solange Sie suchen – möglichst angestellt bleiben wollen. Eine zeitintensive Rundum-Suche ist daher praktisch unmöglich“, sagt Roy Cohen, Karriere-Coach und Autor des ‚The Wall Street Professional’s Survival Guide‘. „Finden Sie Möglichkeiten, die Ihnen die Jobsuche erleichtern, wie zum Beispiel professionelle Suchmaschinen oder Personalvermittler. Besuchen Sie wichtige Branchentreffs, um sichtbar zu sein, aber auch um Kontakte für Informationen und Jobmöglichkeiten zu nutzen.

2. Diskret vorgehen

Wenn Sie die Entscheidung treffen, einen neuen Job zu suchen, ist das nur der erste Schritt. Viele weitere werden folgen. Solange Sie angestellt sind, besteht keine Notwendigkeit, die Dinge zu überstürzen. Sie können sich ausreichend Zeit bei der Jobsuche lassen. Sobald aber Ihr Arbeitgeber Wind von Ihren Absichten bekommt, stehen Sie unter Druck. “Es ist häufig schon nicht leicht, einen Arbeitsplatz für einen neuen aufzugeben. Deutlich schwieriger wird es, wenn der Chef davon erfährt, bevor der neue Job unter Dach und Fach ist“, weiß Vitanee Oliver, Marketing Executive bei der britischen Recruiting-Agentur Talent House Recruitment. „Um das zu vermeiden, sollten Ihre Kollegen nichts von Ihren Wechselplänen erfahren – jeder weiß, wie schnell die Gerüchteküche im Unternehmen brodelt. Es ist auch ratsam, die Jobsuche nicht über die eigenen Social Media Kanäle zu propagieren. Schließlich können der Chef und die Mitarbeiter so auch unerwünscht an die Informationen gelangen.“

3. Ehrlich bleiben

Diskretion ist bei einem geplanten Jobwechsel wichtig. Es ist aber genauso wichtig, das gute Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten aufrecht zu erhalten. „Erfinden Sie keine Märchen, wenn Sie für Vorstellungsgespräche Urlaub beantragen“, rät Elizabeth Becker, Client Partner bei Protech. „Anstatt zu erklären, dass Sie auf die Beerdigung einer entfernten Großtante müssen, geben Sie einfach persönliche Gründe bei der Beantragung des Urlaubstages an.“ Becker fügt hinzu: “Es wirft kein gutes Licht auf Sie, wenn Sie einen Tag nach der vermeintlichen Beerdigung kündigen. Das könnte negative Auswirkungen auf Empfehlungsschreiben oder das Zeugnis Ihres Arbeitgebers haben.“

4. Nach der Arbeit recherchieren

Einer der größten Fehler, den Arbeitnehmer machen können, ist die Stellensuche während der Arbeitszeit. Wer sich in dieser dem Unternehmen geschuldeten Zeit oder mithilfe von Dienst-PC oder -Smartphone aktiv bei einer anderen Firma bewirbt, liefert dem Chef einen handfesten Kündigungsgrund. “Bitten Sie um einen Gesprächstermin in der Mittagspause oder nach Dienstende. Auch wenn es nicht sicher ist, dass der Personaler Ihre Terminwünsche berücksichtigen kann, fragen kostet nichts“, sagt Becker. „Die Art und Weise, wie entgegenkommend eine Firma während des Bewerbungsprozesses ist, gibt nicht selten Aufschluss darüber, wie Sie später als Mitarbeiter behandelt warden.

5. Immer passend gekleidet

Das passende Outfit verschafft Ihnen Pluspunkte beim Vorstellungsgespräch. Doch scheinbar ohne Grund wie aus dem Ei gepellt am Arbeitsplatz zu erscheinen und diesen eventuell auch etwas früher zu verlassen, ist sehr verdächtig. “Wenn Ihr normales Business Outfit für ein Vorstellungsgespräch nicht tauglich ist, suchen Sie sich einen Platz, wo Sie sich unbemerkt umziehen können. Denn in einem schicken Interview-Outfit im Büro zu erscheinen ist ein sehr offensichtlicher Hinweis auf Ihre Jobsuche“, erklärt Kathi Elster, Executive Coach bei K Squared Enterprises und Co-Autorin von ‚Mean Girls at Work‘.

6. Vorsicht bei Chiffre-Anzeigen

Als Arbeitnehmer auf Jobsuche können Sie es sich leisten, besonnen und überlegt bei der Wahl der Position zu sein, auf die Sie sich bewerben. Aber auch den potentiellen Arbeitgeber sollten Sie genau unter die Lupe nehmen, sonst könnte ihre Aktion peinliche Auswirkungen haben. “Senden Sie Ihre Bewerbungsunterlagen besser nicht an anonyme Stellenanzeigen oder Chiffreanzeigen“, empfiehlt Cheryl E. Palmer, Inhaberin von Call to Career, ein Unternehmen, das sich auf Führungskräfte-Coaching spezialisiert hat. „Eine Frau erzählte mir neulich, dass ihre Arbeitskollegin sich auf eine Chiffre-Anzeige beworben hat und wenig später von der eigenen Personalabteilung angesprochen wurde. Als sie die Frage, ob sie auf der Suche nach einem neuen Job sei, verneinte, wollte die Personalerin wissen, warum sie dann ihre Bewerbungsunterlagen bekommen hätte. Es zeigte sich, dass sich die Arbeitskollegin unwissentlich im eigenen Unternehmen beworben hatte.“

Als angestellter Arbeitnehmer auf Jobsuche zu gehen, ist sicher nicht einfach. Wenn Sie sich aber Ihre Zeit richtig einteilen und diskret vorgehen, stehen die Chancen gut für eine neue berufliche Herausforderung, ohne verbrannte Erde zu hinterlassen.


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