Ein Gastbeitrag von Fabian Ebert.

„Schicken Sie uns eine kurze Bewerbung“. Diesen Satz bekommen viele Arbeitssuchende zu hören, wenn Sie sich nach offenen Stellen in Unternehmen erkundigen. Doch was unterscheidet eine Kurzbewerbung von einer Herkömmlichen? Soll das Anschreiben möglichst knapp gehalten sein? Muss überhaupt eins enthalten sein? Wie viele Seiten darf der Lebenslauf haben? Was ist mit Zeugnissen und Zertifikaten?

Eine pauschale Antwort auf diese Fragen gibt es, wie so oft im Leben, auch hier leider nicht. Je nach Einsatzweck muss eine Kurzbewerbung unterschiedliche Anforderungen erfüllen. Im englischsprachigen Ausland werden von Bewerbern beispielsweise oft lediglich der Lebenslauf und die Beurteilungen bisheriger Arbeitgeber verlangt. Damit wären wir auch schon bei der einfachsten Form der Kurzbewerbung:

Der Lebenslauf und nichts als der Lebenslauf

Ein lückenloser Lebenslauf enthält alle Stationen der Ausbildung, des beruflichen Werdegangs sowie Informationen zu den jeweiligen Tätigkeitsfeldern und weiteren Fähigkeiten wie Fremdsprachen und EDV-Kenntnissen. Eigentlich alles, was ein Personalentscheider wissen will. Warum also nicht nur den Lebenslauf abschicken und die Rückmeldung abwarten?

Dem einen oder anderen Personalmanager täten Sie damit wahrscheinlich einen großen Gefallen, obwohl die formalen Anforderungen an eine komplette Bewerbung bei weitem nicht erfüllt sind. Sie sparen ihm in diesem Fall eine Menge Zeit, da er sich nicht erst durch zusätzliche Dokumente wühlen muss. Es besteht allerdings die Gefahr, dass auf diese Weise wichtige Informationen unter den Tisch fallen und Sie Ihren Mitbewerbern gegenüber schließlich das Nachsehen haben.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass eine Kurzbewerbung dazu gedacht ist, Interesse zu wecken. So ähnlich wie ein Klappentext, der dem Leser Lust auf das gesamte Buch machen soll.

Welche Arten der Kurzbewerbung gibt es?

Wie oben schon erwähnt, ist die erste Möglichkeit einer Kurzbewerbung ein einfacher tabellarischer Lebenslauf. Dies hat jedoch den Nachteil, dass man ohne Anschreiben auf der einen Seite nicht spezifisch auf das Unternehmen eingehen kann und es andererseits schwierig ist, bestimmte Tätigkeiten und Erfahrungen gezielt in den Fokus zu rücken.

Ein (kurzes) Anschreiben bietet weitaus mehr Möglichkeiten, sich spezifisch darzustellen. Generell sollte ein Bewerbungsschreiben den Umfang einer Seite nicht überschreiten. Im Falle einer Kurzbewerbung können Sie sich hier aber auch deutlich kürzer fassen und das Ganze auf ca. eine halbe Seite reduzieren. Die wesentlichen Elemente eines aussagekräftigen Bewerbungsschreibens sollten natürlich dennoch enthalten sein. Diese wären im Einzelnen:

  • Einleitung mit Stellen- bzw. Unternehmensbezug
  • Fachliche Kompetenzen
  • Soft Skills (bei einer Kurzbewerbung nicht zwingend erforderlich)
  • Abschluss mit Bezugnahme auf ein Vorstellungsgespräch und Nennung des frühestmöglichen Eintrittstermins (Gehaltsvorstellung nicht vergessen, wenn gefordert!)

Damit geben Sie Ihrem zukünftigen Arbeitgeber zusätzliche Informationen zu Ihrer Person, ohne den Umfang Ihrer Bewerbungsunterlagen zu sehr aufzublähen. Bei einer Onlinebewerbung per E-Mail können Sie Ihr Kurzanschreiben dann zum Beispiel direkt in den Text Ihrer E-Mail kopieren und im Anhang lediglich Ihren Lebenslauf mitsenden.

Die optimale Kombination aus Kürze und einem möglichst hohen Informationsgehalt bietet ein Kurzprofil, welches entweder gemeinsam mit dem Lebenslauf eingereicht wird oder aber auch bereits die wichtigsten Stationen Ihres Werdegangs enthält. Sozusagen ein „Best of“ Ihres Lebenslaufs, welches beispielsweise in folgende Abschnitte gegliedert werden kann:

  • Ein kurzer Einleitungstext (Wer bin ich? Wonach suche ich?)
  • Fachbereiche und Erfahrungsfelder
  • Berufliche Erfolge
  • Projekterfahrung
  • Berufliche Ziele

Was die Wahl des Layouts angeht, haben Sie hier im Grunde genommen die freie Wahl. Sie können mit verschiedenen Textblöcken arbeiten oder eher stichpunktartige Auflistungen verwenden. Wichtig ist, dass alle Informationen klar ersichtlich sind und der Umfang einer Seite nicht überschritten wird. Bei einer Bewerbung auf dem Postweg oder auch für Ihr Vorstellungsgespräch können Sie diesen „Onepager“ beidseitig bedrucken und auf der Rückseite die wichtigsten Stationen Ihres Lebenslaufs auflisten. Gestalterisch sind der Phantasie hier keine Grenzen gesetzt. So können Sie neben besonderen Hinguckern wie einem Logo oder Monogramm beispielsweise auch eine Timeline einbauen, an der Sie und Ihr Gegenüber sich im Gespräch orientieren können.

Kurzprofil in der Bewerbung

Insbesondere für Bewerber mit langjähriger Berufserfahrung oder häufig wechselnden Tätigkeitsfeldern bietet ein Kurzprofil den Vorteil, dass der Empfänger nicht lange nach den relevanten Informationen suchen muss, sondern sofort alles Wichtige auf einen Blick erkennt.

Die Kurzbewerbung als Initiativbewerbung

Gerade bei Initiativbewerbungen, also Bewerbungen für nicht explizit ausgeschriebene Stellen, kann eine Kurzbewerbung der Schlüssel zum Erfolg sein. Sie haben schließlich keine Stellenausschreibung, auf deren Anforderungsprofil Sie Ihre Bewerbungsunterlagen anpassen müssen. Ihnen bleibt also nur die Möglichkeit, Ihre Stärken und Erfahrungsfelder kurz darzulegen.

Bewerbungsflyer

„Hier bin ich. Das kann ich.“

Das Unternehmen hat dann zu entscheiden, ob und wie Sie sinnvoll eingesetzt werden können. Im Idealfall wird vielleicht sogar extra für Sie eine neue Planstelle geschaffen. Wenn Ihre Kurzbewerbung auf Interesse stößt, können Sie gegebenenfalls noch eine ausführliche Bewerbung anfertigen und dem Arbeitgeber zukommen lassen. In jedem Fall sollten Sie spätestens zum Vorstellungsgespräch alle relevanten Unterlagen (lückenloser Lebenslauf, Arbeitszeugnisse, Zertifikate) parat haben.

 


Autorenprofil:

Fabian Ebert hat für die Bewerbungsschreiber bereits zahlreiche Bewerbungen für die verschiedensten Branchen und Hierarchieebenen erstellt.

 

Bildquelle: © Georgejmclittle – Shutterstock.com, Die Bewerbungsschreiber