18.02.2014

Verletzt ein Arbeitnehmer sich selbst, so schließt dieses Verhalten den Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall nicht zwangsläufig aus. So entschied das Hessische Landesarbeitsgericht in seinem Urteil vom 23.07.2013 (Az: 4 Sa 617/13).

In dem vorliegenden Fall  hatte ein Baumarktangestellter an seinem Gabelstapler ein Plexiglasdach montiert, um vor Regen geschützt zu sein. Der Sicherheitsbeauftragte wies ihn an, dieses Dach wieder abzubauen. Das versetzte den Mitarbeiter derart in Wut, dass er mehrmals mit seiner Faust heftig auf ein an einer Holzstrebe befestigtes Verkaufsschild einschlug. Dabei brach er sich die Hand. In den folgenden sechs Wochen war er wegen seines Knochenbruchs arbeitsunfähig. Der Arbeitgeber verweigerte die Entgeltfortzahlung, da der Angestellte sich die Verletzung vorsätzlich selbst zugefügt habe.

Das Hessische Landesarbeitsgericht folgte der Ansicht des Arbeitgebers nicht. Eine Entgeltfortzahlung scheide zwar grundsätzlich aus, wenn der Arbeitnehmer seine Arbeitsunfähigkeit selbst verschuldet. Verschuldet in diesem Zusammenhang meint aber nur besonders leichtfertiges, grob fahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten gegen sich selbst. Dies erfordert einen groben Verstoß gegen das eigene Interesse eines verständigen Menschen. Mit umfasst sei jedoch nicht der Fall, in dem ein Arbeitnehmer in einem heftigen Wut- oder Erregungszustand kurzzeitig die Kontrolle verliert. Es sei nicht offensichtlich, dass der Mitarbeiter seine Verletzung bewusst herbeigeführt hat. Gegen grobe Fahrlässigkeit spricht, dass er aus Wut kurzzeitig die Kontrolle über sich verloren hat. Das sei zwar leichtfertig gewesen, aber nicht so schuldhaft, um von besonderer Leichtfertigkeit oder grober Fahrlässigkeit sprechen zu können. Der Arbeitgeber war somit verpflichtet, Lohnfortzahlung zu leisten.

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