Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um auf dem aktuellen Arbeitsmarkt gute Perspektiven zu haben? Fragt man deutsche Arbeitnehmer und Arbeitssuchende danach, geben 61,7 Prozent an, sie sehen gutes Aussehen als Grundvoraussetzung. Unter jungen Menschen zwischen 18 und 29 Jahren teilen sogar 66,7 Prozent diese Überzeugung, dass attraktive Bewerber bessere Chancen haben.

Zu diesem Ergebnis kam die Studie „Arbeitsmarkt 2013 – Perspektive der Arbeitnehmer“ des Personalunternehmens Orizon. Im Vergleich zur Vorgängeruntersuchung „Arbeitsmarkt 2011“ hat sich diese Zahl sogar noch erhöht: Damals waren insgesamt 51 Prozent der ebenfalls online-repräsentativ Befragten sicher, dass es mit einem attraktiven Job nur klappt, wenn der Bewerber oder die Bewerberin selbst attraktiv sei.

Anonymisierte Bewerbungen für viele keine Alternative

Das Aussehen steht für viele im Mittelpunkt ihres Daseins, also auch im Berufsleben. Die politische Diskussion um anonymisierte Bewerbungen scheint an der Wahrnehmung der Menschen vorbei zu gehen. Warum sollte eine Bewerberin oder ein Bewerber auf das Foto in den Unterlagen verzichten, wenn die Überzeugung besteht, dass beim Vorstellungsgespräch ohnehin das Aussehen entscheidend sei?

Attraktive Bewerber haben auch Nachteile

Im Job kann gutes Aussehen tatsächlich förderlich auf die Karriere wirken, wie es zahlreiche Studien belegen, denn attraktiven Menschen werden positive Eigenschaften zugeschrieben. Doch bei Bewerbungen kann sich gutes Aussehen auch nachteilig auswirken, so die israelischen Forscher Bradley Ruffle an der Ben-Gurion University und Ze’ev Shtudiner am Ariel University Centre, auf die sich Wirtschaftspsychologie aktuell beruft. Sie untersuchten die Ergebnisse von Bewerbungen mit oder ohne Foto. Überraschende Erkenntnis: Attraktive Frauen wurden seltener eingeladen, wenn sie ein Foto beigelegt hatten. Den Grund erklären sie damit, dass fast immer (zu 93 Prozent) Frauen in der Personalabteilung darüber entschieden, ob ein Bewerber eingeladen wurde. Die Forscher schlussfolgern, dass Neid auf attraktive Bewerberinnen diese Frauen zur Diskriminierung führt.

Ansonsten bodenständige Überzeugungen

Beruhigend wirken vor diesem Hintergrund die hohen Zustimmungswerte aus der Orizon-Umfrage, die ganz bodenständige Voraussetzungen für attraktive Karriereperspektiven erhalten haben. So sind sich jeweils über 90 Prozent der Befragten sicher, dass Leistungsbereitschaft und Motivation, gute Umgangsformen, fachliche Qualifikation und relevante Berufserfahrungen wichtige Voraussetzungen für individuell gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind. „Insgesamt machen unsere Personalberater die Erfahrung dass neben einer qualitativ guten Ausbildung vor allem ‚Soft Skills‘ wie Begeisterung, Einsatzbereitschaft und soziale Kompetenz von den Unternehmen gewünscht werden,“ sagt Orizon Geschäftsführer Dr. Dieter Traub.

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