Nachdem die Karriereberater Püttjer & Schnierda hier kürzlich Trends im Arbeitszeugnis vorstellten, widmen sie sich heute den Besonderheiten beim Zeugnis in der Zeitarbeit. Gibt es dafür spezielle Formulierungen? Und wer stellt es eigentlich aus?

Wer ist Zeugnisaussteller?

Vielen Beschäftigten ist nicht klar, wer im Dreieck Arbeitnehmer/-in, Zeitarbeitsfirma und Entleihfirma für die Ausarbeitung eines Arbeitszeugnisses zuständig ist.

Die Antwort ist hier eindeutig: Das eigentliche Arbeitsverhältnis besteht zwischen Zeitarbeitsfirma und Arbeitnehmer/-in. Daher muss das Arbeitszeugnis von der Zeitarbeitsfirma erstellt werden.

Allerdings hat die Entleihfirma eine Mitwirkungspflicht, muss also gegenüber der Zeitarbeitsfirma Auskunft über die Arbeitsaufgaben geben und die erbrachten Leistungen bewerten.

Spezielle Formulierungen?

Im Wesentlichen entsprechen sowohl der Aufbau als auch die Formulierungen im Zeugnis der Zeitarbeitsfirma „normalen“ Arbeitszeugnissen. Unverzichtbar sind auch hier typische Elemente wie Beschäftigungsdauer, Aufgabenblock, Einzelbewertungen zu Fachwissen, Arbeitsmotivation, Arbeitsweise und Sozialverhalten, Gesamtnote und gute Wünsche für die Zukunft im Schlussabsatz.

Unterschiede gibt es beispielsweise im Einleitungsabsatz zum Aufgabenblock. Statt „Die Aufgaben von Frau Müller umfassten im Wesentlichen“ heißt es dann häufig: „Die Aufgaben von Frau Müller bei unserem Kunden umfassten im Wesentlichen“.

Auch in der Gesamtnote kann es statt „Herr Schmidt erledigte die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ entsprechend heißen: „Herr Schmidt erledigte die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer und zu der vollen Zufriedenheit unseres Kunden.“

Mehrere Entleihfirmen?

Es kommt regelmäßig vor, dass Arbeitnehmer während ihrer Beschäftigungsdauer in mehreren Entleihfirmen eingesetzt werden. Die soeben vorgestellten Formulierungen werden dann in der Mehrzahl ausgedrückt „Die Aufgaben bei unseren Kunden umfassten im Wesentlichen“ und in der Gesamtnote „… und zu der vollen Zufriedenheit unserer Kunden.“

Obwohl die Arbeitsaufgaben bei verschiedenen Entleihfirmen durchaus variieren können, sollte in der Regel nur ein Aufgabenblock formuliert werden, der alle wesentlichen Tätigkeiten enthält. Auf diese Weise bleibt die Lesbarkeit des Zeugnisses – und damit der Nutzen in künftigen Bewerbungsverfahren – für den Beurteilten gewahrt.

Fazit:

Die Praxis bestätigt immer wieder, dass die Aufgabe „Zeugnisse ausformulieren“ in Zeitarbeitsfirmen genauso unbeliebt ist, wie in „normalen“ Firmen. Zumindest bleibt Ihnen der Trost, dass Sie mit einem eigenen Entwurf für ein gutes oder sehr gutes Zeugnis üblicherweise offene Türen einrennen werden. Nutzen Sie diese Chance!


Über die Autoren:Christian Püttjer und Uwe Schnierda sind seit 1993 als Bewerbungsberater und Karrierecoaches tätig. Ihre Erfahrungen aus Einzelcoachings und Seminaren rund um die Themen Bewerbungsunterlagen, Vorstellungsgespräch, Arbeitszeugnis und Assessment-Center haben sie in mehr als 70 Praxisratgeber eingebracht und damit schon über einer Million Leserinnen und Lesern weitergeholfen. Püttjer & Schnierda bloggen auf Karriereakademie.

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