15.04.2014 -

Teil 8 unserer Städteserie führt uns zurück an den Rhein nach Düsseldorf. Zwischen Königsallee, Medienhafen und Hofgarten genießen Kreative, Berater, Anwälte, Ingenieure und Kommunikateure ihr Leben und machen die Stadt zu einer der beliebtesten weltweit.

„Wissen Sie, was der Lieblingssport der Düsseldorfer ist?“, fragte einmal der einheimische Kabarettist Manes Meckenstock. „Na, 400 Meter blöd gucken – auf der Kö!“ Gemeint hat er damit die Königsallee, die Fifth Avenue des Rheinlands. Als eine der führenden Luxuseinkaufsstraßen Europas hat sie die Nordrhein-westfälische Landeshauptstadt weltweit berühmt gemacht. Hier gilt „sehen und gesehen werden“, während man – oder vielmehr Frau – von einem Shopping-Tempel zum nächsten flaniert. Wer es bodenständiger mag, findet sein Plätzchen an der längsten Theke der Welt in der Düsseldorfer Altstadt. Über 250 Studentenkneipen, urige Brauereien und Restaurants sowie hippe In-Lokale reihen sich aneinander, um die Besucher mit ihrem einzigartigen Rheinufer-Charme zu verführen.

Metropole mit hoher Lebensqualität

Das Leben lässt sich genießen in Düsseldorf. Das belegen nicht zuletzt die vielen Top-Ten-Plätze, die die Stadt in internationalen Vergleichen über die letzten Jahre gesammelt hat. Erst kürzlich hat die Beratungsgesellschaft Mercer in einer weltweiten Vergleichsstudie die Lebensqualität in  223 Großstädten bewertet und Düsseldorf mit Rang sechs belohnt. Im aktuellen Städteranking von Wirtschaftswoche und Immobilienscout24, das 71 kreisfreie Städte Deutschlands in über 80 Einzelindikatoren miteinander vergleicht,  sicherte sich die Rheinmetropole Platz 14 und liegt damit sechs Plätze vor dem ewigen Konkurrenten Köln. Doch von nichts kommt nichts. Düsseldorf zählt zu den führenden Wirtschaftsstandorten unserer Republik. Eine Wirtschaftsleistung von 82.548 Euro je Erwerbstätigen bescheinigt der Stadt eine hervorragende Produktivität. Trotzdem liegt die Arbeitslosenquote aktuell mit 9,0 Prozent leicht über dem bundesweiten Durchschnitt von 7,1 Prozent.

Klein-Tokio am Rhein

Eine enge gemeinsame Geschichte verbindet Düsseldorf mit Japan. 1859 gründete der Düsseldorfer Louis Kniffler in Nagasaki das erste preußisch-japanische Handelshaus. Rund 100 Jahre später lassen sich die ersten japanischen Unternehmen in der Stadt am Rhein nieder. Der Handel mit Stahl aus dem nahen Ruhrgebiet und der Rhein als Transportweg zum Hafen in Rotterdam waren damals ausschlaggebend für die Ansiedlung der Firmen aus Fernost. Heute leben in Düsseldorf und der Region um die Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen rund 8500 Japaner, über 400 japanische Unternehmen haben dort ihren Sitz. Innerhalb der Stadtgrenzen wohnen etwa 6500 Japaner – rund ein Prozent aller Düsseldorfer – die eine der größten japanischen Kolonien in Europa bilden mit Lebensmittelgeschäften, Buch- und Zeitungsshops, Sushi-Bars, Fahrzeughändlern, Reisebüros, Banken und Versicherungen, vier japanischen Kindergärten, der japanischen Schule und einem japanischen Club.

En vogue in Düsseldorf

In Düsseldorf ist die Modeszene zu Hause. Über dreitausend Unternehmen der Branche generieren hier mit einem Umsatz von 18 Milliarden Euro 8,2 Prozent der gesamten Düsseldorfer Wirtschaftsleistung. In rund 800 permanenten Showrooms präsentieren zahlreiche Brands ganzjährig ihre aktuellen Kollektionen. Sieben Messen für Mode, Schuhmode, Accessoires und Kosmetik locken jährlich 180.000 Fachbesucher nach Düsseldorf. Neben Designer-Größen haben sich auch internationale Beauty-Konzerne wie Shiseido, L’Oreal oder Alessandro International in der Stadt am Rhein niedergelassen. Insgesamt sind in der Modewirtschaft in Düsseldorf rund 25.000 Arbeitnehmer beschäftigt.

Kreativwirtschaft boomt

Das kreative Potential der Stadt ist mit der Modeindustrie keineswegs erschöpft: Über 4.000 Unternehmen lassen sich insgesamt der Düsseldorfer Kreativwirtschaft zuordnen. 831 davon sind Werbeagenturen. Das ist zwar deutlich weniger als in Hamburg oder Köln, mit einem Etatvolumen von insgesamt fast fünf Milliarden Euro sind die Düsseldorfer Agenturen aber absolute Spitzenreiter. Auch Media-, Pitch- und Networkagenturen wie Saatchi & Saatchi, BBDO oder Grey Worldwide bieten als einflussreiche Dienstleister viele interessante Arbeitsplätze. Die gewachsene kreative Infrastruktur der Stadt ist die Basis für den Erfolg Düsseldorfs als Werbemetropole: Ob Tonstudios, Filmproduktionen, Modellagenturen, Fotografen, Grafik-Designer, Messebauer oder Druckereien – die Chancen auf einen Arbeitsplatz im kreativen Bereich sind vielfältig.

Mit dem Umbau des alten Hafengeländes zum Düsseldorfer Medienhafen ist der Stadt ein besonderer Coup gelungen. Internationale Star-Architekten haben dabei ihre Visitenkarte hinterlassen. Denkmalgeschützte Lagerhallen wurden restauriert und mit modernstem IT- und Medienequipment ausgestattet. Jetzt ist das beeindruckende Ensemble eigenwilliger Bauten nicht nur ein attraktives Büro- und Wohnquartier mit zahlreichen Lokalen, Restaurants oder Bistros. In den Abendstunden wandelt sich der MedienHafen in einen beliebten Party- und Szenetreff. Die schiefen und verwinkelten Gehry-Bauten wurden zudem schnell zum bekanntesten und meist fotografiertesten Architekturobjekt Düsseldorfs.

Stadt der Anwälte und Unternehmensberater

Eine weitere Branche ist fest mit Düsseldorf verwurzelt: Die Stadt ist Spitzenstandort in Deutschland für Rechts- und Unternehmensberatungen. Über 1.760 Unternehmens-beratungen sind in Düsseldorf ansässig, darunter namhafte Unternehmen wie McKinsey & Company, The Boston Consulting Group oder Deloitte Consulting. Allein McKinsey beschäftigt deutschlandweit über 2.300 Mitarbeiter. Mit insgesamt 8.274 Arbeitnehmern hält die Landeshauptstadt den höchsten Beschäftigungsanteil in der Beraterbranche. Auch Anwälte zählen zu den am stärksten vertretenen Berufsgruppen: In der Rechtsanwaltskammer Düsseldorf sind über 12.240 von ihnen zugelassen, über 5.000 Menschen arbeiten in der Rechtsberatung und mit 75 Patentanwälten liegt Düsseldorf sogar auf Augenhöhe mit Berlin, Köln und Hamburg.

Wer in den Bereichen Industrie, Handel oder Telekommunikation eine Anstellung sucht, findet ebenfalls in Düsseldorf einen vielseitigen Arbeitsmarkt. Global Player wie E.ON, Metro AG, Henkel KG, Vodafone, Salzgitter Steel Trading, C&A, Peek & Cloppenburg oder die Daimler AG, die in ihrem Mercedes Benz Werk Düsseldorf den Kleintransporter „Sprinter“ fertigt, bieten interessante Jobperspektiven.

Ältester Volksgarten Deutschlands

Und wer den verdienten Lohn nicht gleich wieder auf der Kö ausgeben mag, findet in den zahlreichen Parks und Grünanlagen der Stadt Zerstreuung. Denn Düsseldorf, das auch den Beinamen Gartenstadt trägt, verfügt über stolze 1238 Hektar öffentliche Grünflächen. Fast die Hälfte der Fläche sind Parks, die sich über das Stadtgebiet verteilen. Der bekannteste und einer der schönsten ist der Hofgarten, der in seiner Form als erster Volksgarten Deutschlands richtungsweisend für viele weitere Anlagen wurde. Der Rhein ist das Bindeglied zwischen den verschiedenen Vierteln der Stadt und bildet mit seinen großen, meist unbebauten Uferzonen ein grünes Band, das Düsseldorf durchzieht.


Quellen: www.duesseldorf.de, www.wiwo.de, www.statistik.arbeitsagentur.de, www.wikipedia.de; www.rp-online.de

Bildquelle: © davis – Fotolia.com