19.06.2014 -

Im Norden an der Weser liegt die Freie Hansestadt Bremen, Zwei-Stadt-Staat und Deutschlands kleinstes Bundesland. Sie nur als Hamburgs kleine Schwester zu bezeichnen, würde ihr nicht gerecht. Das Land ist stolz auf seine Traditionen und bietet vielfältige Arbeitsmöglichkeiten.

„Wie das geschehen war, fingen sie auf ein Zeichen insgesamt an, ihre Musik zu machen: der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute, und der Hahn krähte; dann stürzten sie durch das Fenster in die Stube hinein, daß die Scheiben klirrten.“ Heute stehen die Bremer Stadtmusikanten neben dem Portal des Ratskellers um einiges ruhiger übereinander und der Esel lässt sich geduldig von Bremer Bürgern wie von Besuchern der Stadt mit beiden Händen über die Vorderhufe streichen. Wer die Eselbeine hingegen unwissentlich nur kurz anfasst, dem wird nicht das erhoffte Glück zuteil sondern lediglich der Spott der Bremer: „Da geben sich zwei Esel die Hand.“

Hamburgs kleine Schwester

Die Freie Hansestadt Bremen gilt als kleine aber nicht weniger stolze Schwester Hamburgs. Mit 419 km² und rund 670.000 Einwohnern bildet sie zusammen mit dem 54 km entfernt liegenden Bremerhaven einen Zwei-Stadt-Staat und das kleinste Bundesland der Republik. In nationalen Städterankings findet man Bremen im soliden Mittelfeld. Das durchschnittlich verfügbare Einkommen des Hanseaten liegt bei ansehnlichen 23.300 Euro, die Arbeitslosenquote im vergangenen Jahr bei 10,8 Prozent. Zu leiden hat Bremen jedoch unter einer relativ hohen Kriminalität, wobei die Polizei in den vergangenen Jahren die Aufklärungsrate der Straftaten stark verbessert hat.

Dreh- und Angelpunkt ist der Hafen

In der Stadt an der Weser ist die traditionsreiche Seefahrervergangenheit in den kleinen Gassen des Schnoorviertels mit seinen historischen Giebelhäusern und rund um den „Schütting“, Sitz der der Handelskammer am Bremer Marktplatz, noch immer spürbar. Der Fluss, der als Handelsweg Bremen zur stolzen Hansestadt gemacht hat, sichert auch heute noch einen Großteil der Arbeitsplätze. Rund 41.000 Beschäftigte in mehr als 1800 Unternehmen zählt die Branche Maritime Wirtschaft und Logistik. Durch die Hafengruppe Bremen/Bremerhaven ist der Stadtstaat nach Hamburg der zweitgrößte Außenhandelsstandort in Deutschland. Vor allem für den Kaffeeimport und den Autoexport ist Bremen bedeutender Standort. Der Seehafen in Bremerhaven ist mit Abstand der international größte Umschlagplatz für Automobile. Weitere bedeutende Arbeitgeber der Branche sind die Fr. Lürssen Werft GmbH & Co. KG, die BLG Logistics Group AG & Co. KG, die Nordsee Holding GmbH sowie die Deutsche See GmbH.

Internationaler Branchenmix in Bremen

Das wirtschaftliche Portfolio Bremens ist sehr vielfältig. Neben der Maritimen Wirtschaft und Logistik haben sich auch namhafte Unternehmen aus den Bereichen Automobilbau, Informationstechnologien, Luft- und Raumfahrt, Windenergie, Nahrungs- und Genussmittel,   Umweltwirtschaft, Kreativwirtschaft/Medien, Gesundheitswirtschaft, Robotik und aus dem Einzelhandel an der Weser angesiedelt. Diese internationale Branchenmischung sorgt für eine stabile Wirtschafts- und Arbeitssituation. Zu den wichtigsten Arbeitgebern in Bremen zählen Mercedes Benz, Mondelez International (Herstellung / Vertrieb von Kaffee, Schokolade u.a. Nahrungsmitteln), Anheuser-Busch InBev Deutschland GmbH Co.KG, Airbus Operations GmbH/Astrium GmbH, die Könecke Fleischwarenfabrik GmbH & Co. KG, Univeg Deutschland GmbH (Handel mit Früchten), Kellogg (Deutschland) GmbH, die Frosta AG (Bremerhaven) oder die CTS Eventim AG (Vertrieb und Vermarktung von Eintrittskarten im In- und Ausland).

Zentrum für Wissenschaft und Ingenieurskunst

Vor allem Ingenieuren bietet Bremen gute Berufschancen und Entwicklungsmöglichkeiten. 2012 lag der Anteil der Ingenieure an allen Beschäftigten bei 3,8 Prozent, was der Hansemetropole im nationalen Vergleich unter den 50 einwohnerstärksten Städten Rang 12 brachte. Auch als Wissenschaftsstandort hat sich Bremen einen Namen gemacht, nicht zuletzt durch namhafte Institute wie beispielsweise das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie. Aber auch die Universität Bremen, die als Exzellenz-Universität gilt, ist über Landesgrenzen hinweg bekannt. Das Land Bremen bemüht sich, vor allem Familien attraktive Arbeits- und Lebensbedingungen zu bieten und fördert gezielt betriebliches Engagement für Vereinbarkeit von Beruf und Familie, in dem es Unternehmen bei der Einführung einer familienbewussten Personalpolitik unterstützt.

Gelebte Traditionen

Nach der Arbeit laden die Promenaden entlang der Weser zum Bummeln ein. Dort können Einheimische und Touristen in einer der zahlreichen Kneipen und Restaurants bei Bremer Spezialitäten wie Labskaus, „Kohl und Pinkel“ oder Kükenragout den Tag ausklingen lassen. Ein heimisches Bier darf dabei natürlich nicht fehlen. Wer übrigens auf dem Heimweg Männer im Frack die Stufen zum Dom fegen sieht, muss sich nicht wundern. Die Bremer pflegen ihre Traditionen und eine davon ist es, als unverheirateter Mann am dreißigsten Geburtstag die Domtreppe von Kronkorken und Konfetti zu säubern, bis sich eine Jungfrau erbarmt und ihn küsst.


Quellen: www.bremen.de, www.wfb-bremen.de, http://www.insm-staedteranking.de, www.abendblatt.de

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