Der Sprung vom Studium ins Berufsleben ist für Geisteswissenschaftler traditionell schwieriger als für Absolventen anderer Fachrichtungen. Die positiven Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt haben daran nichts geändert.

Philosophen, Romanisten oder Historiker stecken noch immer und im wahrsten Sinne des Wortes in einer „prekären“ Lage. Die Zahl der explizit auf Geisteswissenschaftler zugeschnittenen Stellen sinkt seit Jahren. Entsprechend hoch ist der Bewerberandrang auf freie Stellen: Auf ein Stellenangebot kommt in der Regel das 20- bis 30-fache an Bewerbungen – Tendenz steigend. Wer als Geisteswissenschaftler einen Arbeitsplatz finden will, muss nicht nur flexibel und ausdauernd sein, sondern vor allem praktische Erfahrung sammeln.

Ein kurzes Studium mit guten Examensnoten garantiert Geisteswissenschaftlern fast nie den Erfolg im Arbeitsleben. Studienzeiten sollten genutzt werden, um Praktika zu absolvieren, Erfahrungen zu sammeln und sich ein belastbares Netzwerk aufzubauen. Der Blick über den universitären Tellerrand ist von elementarer Bedeutung. Ein Student, der Auslandssemester und Arbeitserfahrung vorweisen kann, steht oft besser da, als einer, der „nur“ die Regelstudienzeit eingehalten hat. Ersterer hat Belastbarkeit, Engagement und Selbstständigkeit bewiesen, letzterer muss einen potentiellen Arbeitgeber „ohne Gewähr“ von sich überzeugen.

Ein Geisteswissenschaftler muss ein Allrounder sein, motiviert und vielfältig einsetzbar, kein Bewohner des universitären Elfenbeinturms. Es genügt keinesfalls, sich ausschließlich auf das Studienfach zu verlassen. Spätestens im Hauptstudium sollte man sich über sein Profil klar werden und dieses so weit schärfen wie nur möglich. Wer am Ende seines Studiums Software-Anwendungen nicht beherrscht, sollte sich in dieser Hinsicht dringend weiterbilden. Word, PowerPoint und Excel sind ein Muss. Fremdsprachenkenntnisse sind ebenfalls eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Eintritt ins Berufsleben. Das Beherrschen der englischen Sprache wird ohnehin meist vorausgesetzt, weitere Sprachen sind von großem Vorteil. Wer Chinesisch oder eine slawische Sprache erlernt hat, kann sich dies auf die Fahnen schreiben.

Die gute Nachricht lautet: Geisteswissenschaftler müssen sich auf dem Arbeitsmarkt nicht verstecken. Ihre Ausbildung ist breit gefächert, sie haben kommunikative Fähigkeiten und können sich schnell in eine neue Materie einarbeiten. Die Informationsgesellschaft ist auf High Potentials angewiesen, die gelernt haben, fremde Gedankengänge nachzuvollziehen, eigenständig und strukturiert zu denken und gut zu formulieren. Bemerkt haben dies zuerst die großen Unternehmens- und Vermögensberatungen Deutschlands. Fest steht: Andere werden folgen.

 


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